Fast ein Drittel der deutschen Studentinnen und Studenten bricht das Studium frühzeitig ab. Bei vielen ist das kein großes Problem: Sie absolvieren das erste Semester, merken, dass es nicht passt – und suchen sich etwas anderes. Ein solch kurzer Abstecher im Lebenslauf kann problemlos erklärt werden. Immerhin zwölf Prozent der Studienabbrecher waren zuvor allerdings bereits mindestens elf Fachsemester an der Universität eingeschrieben. Sie haben also mehr als fünf Jahre ihres Lebens investiert – und stehen am Ende in der Regel mit leeren Händen dar. Ein Algorithmus will diese Studenten nun frühzeitig erkennen und anschließend gezielte Hilfe vermitteln. Der Clou: Es werden lediglich Daten benötigt, die die Universitäten ohnehin erfassen.


Nach drei Semestern liegt die Trefferquote bei 95 Prozent

Also vor allem biographische Daten und erbrachte Leistungen. In dieser großen Datenmenge kann die künstliche Intelligenz dann Muster erkennen und so einen bestimmten Ausgang prognostizieren. Durchaus positiv für das deutsche Bildungssystem ist dabei eine Beobachtung der Forscher: Demnach haben die Noten aus dem ersten Semester eine deutlich höhere Prognosekraft als der soziale Hintergrund eines Studenten. Nach dem ersten Semester kann das System dann bereits mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 Prozent vorhersagen, wer später sein Studium beenden wird und wer nicht. Wiederholt man die Analyse noch einmal nach dem dritten Semester steigt die Trefferquote sogar auf 95 Prozent. Das heißt aber auch: Immerhin fünf Prozent der identifizierten Personen erlangen den Abschluss am Ende trotz der vermeintlich ungünstigen Rahmenbedingungen.


Zusätzliches Geld für Hilfsangebote ist notwendig

Entwickelt wurde der Algorithmus von Berthold Wigger am „Karlsruher Institute of Technology“. Das Ziel ist es nicht, die prognostizierten Abbrecher möglichst früh von der Uni zu entfernen. Vielmehr sollen den Studenten konkrete Hilfsangebote unterbreitet werden. Dies kann eine Beratung über einen Wechsel des Studienganges sein, aber eben auch fachspezifische Unterstützung in Problembereichen. Dafür allerdings müssten die Universitäten zusätzliches Geld in die Hand nehmen – was bisher noch zu selten geschieht. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist dies aber zu kurzfristig gedacht. Denn der Staat hat ein großes Interesse daran, dass Studenten am Ende auch tatsächlich ihren Abschluss machen. Der nun entwickelte Algorithmus könnte helfen, gezielte Maßnahmen zu entwickeln, um die Zahl der Studienabbrecher zu reduzieren.

Via: FAZ

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.