Aktuell wird viel und intensiv über die Vor- und Nachteile von Elektroautos diskutiert. Für Aufregung sorgte beispielsweise eine Studie des Ifo-Instituts im April vergangenen Jahres. Darin kamen die Forscher zu dem Schluss, dass Elektroautos – über ihre gesamte Lebensdauer verteilt – sogar mehr CO2-Emissionen verursachen als Fahrzeuge mit klassischem Verbrennungsmotor. Dies wurde teilweise als Anzeichen dafür interpretiert, dass sich die Autoindustrie auf dem Weg in einen teuren Irrtum befindet. Allerdings wurden recht schnell auch wissenschaftliche Zweifel an der Studie und ihrer Methodik laut. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) möchte die Diskussionen nun etwas versachlichen und hat eine Art Faktencheck präsentiert. Konkret handelt es sich um eine Meta-Studie, bei der eigene und fremde Forschungsergebnisse ausgewertet und aufbereitet wurden.


Symbolbild

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

1. Die CO2-Bilanz ist in der Regel besser
Als Erstes rückte dabei logischerweise die Frage nach den CO2-Emissionen in den Blickpunkt. Hier kamen die Forscher zu einem eindeutigen Ergebnis: Während der Herstellung verursachen Elektroautos tatsächlich mehr CO2-Emissionen als Verbrenner. Werden sie anschließend aber auch regelmäßig gefahren, kann dieser Rückstand mehr als nur wieder aufgeholt werden. Allerdings gilt auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme. Bei Elektroautos mit sehr großer Batterie und nur wenig Fahrleistung ergibt sich tatsächlich kein Vorteil in Sachen Klimaschutz.

2. Es gibt genügend Rohstoffe
Kritiker verweisen zudem gerne darauf, dass für den Bau der Batterien teilweise seltene Rohstoffe benötigt werden. Auch hier kann das Fraunhofer-Institut Entwarnung geben: Der prognostizierte Bedarf liegt deutlich unterhalb des weltweiten Angebots. Zwei Entwicklungen werden das Problem perspektivisch zudem lindern. Zum einen forschen Wissenschaftler in aller Welt an Möglichkeiten, um den Rohstoffbedarf in der Batterie-Produktion zu senken. Tesla war in diesem Punkt bereits sehr erfolgreich. Zum anderen kann ein Teil des Bedarfs zukünftig auch über das Recycling alter Elektroautos gedeckt werden.


3. Reichweitenangst gehört bald der Vergangenheit an
Die Akkus werden zukünftig aber nicht nur weniger Rohstoffe benötigen, sondern auch eine höhere Energiedichte besitzen. Dies bedeutet vereinfacht ausgedrückt: Mehr Reichweite bei gleichbleibender Batteriegröße. Außerdem dürften die Wagen durch technische Entwicklungen zukünftig weniger Strom pro Kilometer verbrauchen. Auch dies erhöht die Länge der Fahrten ohne notwendige Akku-Aufladung. Konkret gehen die Forscher davon aus, dass sich die Reichweite der Elektroautos in den nächsten zehn Jahren ungefähr verdoppeln wird.

4. Die Stromnetze sind für die Umstellung gerüstet
Würden von heute auf morgen alle Autos mit einem Elektromotor versehen, stiege der Stromverbrauch in Deutschland um zwanzig Prozent. Aktuell könnten die Netze dies wohl nicht verkraften. Tatsächlich erstreckt sich der Umstieg aber natürlich über mehrere Jahre. Dadurch sind die notwendigen Investitionen überschaubar. So gehen die Forscher davon aus, dass die Einnahmen aus den zusätzlichen Stromverkäufen die notwendigen Ausgaben für die Ertüchtigung des Netzes sogar übersteigen werden. Der Aufbau der nötigen Lade-Infrastruktur ist darin allerdings noch nicht enthalten.

5. Das Mobilitätsverhalten muss sich trotzdem ändern
Die meisten Kritikpunkte an Elektroautos erweisen sich bei genauerer Analyse also als nur bedingt stichhaltig. Dennoch empfehlen auch die Experten des Fraunhofer-Instituts einen Wandel der Mobilität. Ihre Ideen: Weniger Autos, weniger Autofahrten und ein besserer öffentlicher Nahverkehr. Der Grund: Auch Elektroautos bringen gravierende Nachteile mit sich – etwa einen deutlich höheren Wasserverbrauch und die Abgabe säurebildender Gase. Daher gilt: Elektroautos sind klimafreundlicher als Verbrenner. Am besten ist es aber immer noch – soweit möglich – auf das Auto zu verzichten.

Fazit: Die Energiewende ist entscheidend

Elektroautos sind grundsätzlich praktikabel und können einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dies ist der positive Teil der Meta-Studie. Allerdings gilt dies nur unter bestimmten Rahmenbedingungen. So sind die Forscher bei ihren Berechnungen davon ausgegangen, dass der Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix in den nächsten Jahren zunimmt. Käme es hingegen – rein hypothetisch – zu einem Comeback der Kohlekraftwerke würden sich auch die CO2-Emissionen der Stromer massiv erhöhen. Elektroautos alleine sind also nicht die Lösung für alle Klimaprobleme im Verkehrssektor. Denn ihre segensreiche Wirkung entfalten sie in diesem Punkt nur im Zusammenspiel mit einer erfolgreichen Energiewende.

Die komplette Studie: Batterien für Elektroautos: Faktencheck und Handlungsbedarf

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2 Kommentare

  1. werner

    23. Januar 2020 at 15:44

    „Elektroautos bringen gravierende Nachteile mit sich – etwa einen deutlich höheren Wasserverbrauch und die Abgabe säurebildender Gase.“
    Das bezieht sich auf die Rohstoffgewinnung und Herstellung, nicht das Fahrzeug als solches. Und gilt streng genommen nur für die Neuproduktion von Rohstoffen, nicht für recyclete.

  2. Björn

    27. Januar 2020 at 10:36

    Du kannst nur recyceln was bereits vorhanden ist, es gibt aber keine 47.000.000 e-Autos in Deutschland. Somit passt die Aussage.

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