1980 startete rund um den Bodensee ein vielleicht einzigartiges Projekt. Denn Forscher schwärmten auf einer Fläche von 1.100 Quadratkilometern aus und erfassten ein Jahr lang den kompletten Vogelbestand. Dieses Prozedere wurde seitdem alle zehn Jahre wiederholt, sodass sich inzwischen erste wichtige Trends erkennen lassen. Besonders erfreulich sind die Zahlen allerdings nicht. So reduzierte sich die Zahl der Vogelbrutpaare innerhalb von dreißig Jahren nach der ersten Zählung von einst 465.000 Exemplaren auf nur noch 345.000. Die logische Folge: Inzwischen hat sich die Zahl der Vögel in dem Gebiet deutlich reduziert. Die Population des einst besonders oft vorkommenden Haussperlings halbierte sich beispielsweise seit dem Jahr 1980. Das Rebhuhn kommt dort sogar gar nicht mehr vor. Schaut man sich die zehn Vogelarten an, die 1980 am häufigsten erfasst wurden, lässt sich bei sechs davon mittlerweile ein deutlicher Rückgang der Population registrieren.


Die intensive Landwirtschaft wurde als Problem identifiziert

Auf der anderen Seite hat nur bei zwei Arten der Bestand signifikant zugelegt. Die beteiligten Wissenschaftler haben auch bereits einen Verdacht, worin das massive Vogelsterben begründet sein könnte. Ihrer Meinung nach ist die Ursache in der intensiven Landwirtschaft zu suchen. Für diese These sprechen zwei Beobachtungen. Zum einen lässt sich der generelle Trend des Vogelsterbens zwar bundesweit beobachten. Er ist im Süden und Westen der Republik aber deutlich stärker ausgeprägt als im Norden und Osten. Dies deckt sich in etwa mit der Verbreitung der intensiven Landwirtschaft in Deutschland. Hinzu kommt: Besonders stark von rückläufigen Bestandszahlen betroffen waren Vogelarten, die sich ganz oder teilweise von Fluginsekten oder Landwirbellosen ernähren. Hier liegt die Vermutung nahe, dass das – nicht zuletzt durch die Landwirtschaft verursachte – Insektensterben auch für die Vögel nicht folgenlos bleibt.


Auch auf europäischer Ebene gibt es Probleme

Experten drängen daher schon seit einiger Zeit darauf, den Einsatz von Insekten- und Unkrautvernichtungsmitteln drastisch zu beschränken. Ebenso wichtig wäre es aber auch, wieder ausreichend Lebensräume für die Vögel zu schaffen. So finden diese in vielen besiedelten Regionen schlicht keinen Platz mehr zum Nestbau. Auch auf europäischer Ebene gibt es ein Vogelmonitoring namens PECBMS. Dazu werden in 28 Ländern Daten zum Bestand von insgesamt 170 Vogelarten erfasst. Die Zahlen sind allerdings zum großen Teil ähnlich unerfreulich wie am Bodensee. So ist die Zahl der Feld- und Wiesenvögel zwischen 1980 und 2016 um 57 Prozent zurückgegangen. Deutlich weniger starke Rückgänge gab es hingegen bei den Waldvögeln zu verzeichnen. Eine ähnliche Situation ließ sich auch am Bodensee beobachten: Dort ist die Zahl der Waldvögel sogar angestiegen. Die ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Zahl der Vögel insgesamt dramatisch gesunken ist.

Via: Focus

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