Damit erst gar keine Zweifel aufkommen, sollte eins gleich zu Beginn klar gestellt werden: Die Bahn ist das mit Abstand umwelt- und klimafreundlichste Verkehrsmittel. Doch das heißt natürlich nicht, dass es in diesem Punkt nicht auch noch Potential zur Verbesserung gibt. Denn während die Bahn in den Niederlanden zu einhundert Prozent mit sauberer Windenergie versorgt wird, liegt der Ökostrom-Anteil hierzulande bei gerade einmal 58 Prozent. Dadurch fällt die Klimabilanz schlechter aus als nötig. Eigentlich war geplant, bis zum Jahr 2050 auf eine vollständig nachhaltige Stromversorgung umzusteigen. Doch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist das zu wenig ambitioniert: Er forderte den Staatskonzern auf, die Zielmarke bereits bis zum Jahr 2038 zu erreichen.


Bild: Deutsche Bahn AG / Claus Weber

Lange Verträge erschweren den Umstieg

Der Hintergrund: Aktuell müssen die einzelnen Minister darlegen, wie sie zukünftig die Emissionen in ihrem Bereich senken wollen. Scheuer steht dabei besonders unter Druck. Denn der Verkehrssektor hat seine Emissionen in den letzten Jahrzehnten so gut wie gar nicht gesenkt. Der Minister setzt daher auf eine Doppelstrategie: Zum einen soll mehr Verkehr auf die Schiene verlagert werden. Zum anderen soll die Bahn selbst mehr sauberen Ökostrom nutzen. Doch anders als Privatverbraucher kann der Konzern nicht einfach den Anbieter wechseln und einen Ökostrom-Tarif wählen. Stattdessen ist die Bahn an eine Vielzahl von lange laufenden Verträgen gebunden. Diese garantieren, dass es nicht zu Versorgungsengpässen kommt – erschweren aber auch den Umstieg auf Ökostrom.

Möglicherweise müssen Entschädigungen gezahlt werden

Wie groß diese Problematik ist, zeigt das Beispiel des Kohlekraftwerks Datteln IV. Dabei handelt es sich theoretisch um eines der modernsten Kohlekraftwerke der Welt. Bisher ist es allerdings noch gar nicht in Betrieb genommen worden. Die sogenannte Kohlekommission hat empfohlen, eine Verhandlungslösung zu finden, damit dies auch so bleibt. Das Problem: Ein Großteil des dort produzierten Stroms sollte eigentlich in das Netz der Deutschen Bahn eingespeist werden. Der Betreiber Uniper wird aber nicht rein aus Liebe zur Bahn von dieser Vereinbarung zurücktreten. Es müsste daher wohl eine Entschädigung gezahlt werden. Immerhin hat die Bahn nun aber angekündigt, keine neuen Verträge zur Abnahme von Kohlestrom mehr abschließen zu wollen. Die bestehenden laufen allerdings teilweise noch mehr als zwei Jahrzehnte.


So sieht der Strommix der Bahn im Detail aus: Die Bahn

Via: WAZ

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1 Kommentar

  1. Robin

    4. Juni 2019 at 17:45

    Ach unser Autominister ääh Verkehrsminister. Es ist gut und richtig, dass die Bahn schnellstmöglich komplett mit Ökostrom läuft. Allerdings könnte man die gleiche Reduktion auch innerhalb von 2 Monaten bekommen. Ein Tempolimit von 120 km/h spart 3,4 Millionen Tonnen CO2/Jahr ein, 100% Ökostrom bei der Bahn sparen 3,2 Millionen Tonnen ein.

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