IBM-Chefin Virginia „Ginni“ Rometty steht unter Druck. Der Aktienkurs ihres Unternehmens entwickelt sich schon seit einiger Zeit in die falsche Richtung. Das wichtige Zukunftsthema Cloud-Computing wird zudem bisher von anderen Firmen beherrscht. Auf der CES 2019 in Las Vegas versuchte die Firmenchefin daher einen Befreiungsschlag: Sie präsentierte den weltweit ersten kommerziell nutzbaren Quantencomputer. Dieser ist natürlich noch kein Produkt für die breite Masse – was sich schon an den Ausmaßen ablesen lässt: Das luftdichte Gehäuse ist quadratisch und jeweils 2,80 Meter lang und breit. Der eigentliche Quantencomputer wiederum befindet sich in der Mitte des Gebildes und wurde aus optischen Gründen in einer Art Glaskugel aufgehängt. Die Besonderheit: Der unter dem Namen „IBM Q System One“ firmierende Quantencomputer soll erstmals auch außerhalb eines Labors genutzt werden können.


Bild: IBM

Die besten Supercomputer arbeiten aktuell noch schneller

Betrachtet man allerdings die reine Leistungsfähigkeit ist die Neuentwicklung noch kein wirklicher Durchbruch. Der IBM-Computer arbeitet mit 20 Qbit. Dabei handelt es sich um die kleinste Informationseinheit in einem Quantencomputer. Anders als bei dem von normalen Rechnern bekannten Bits können allerdings jeweils mehrere Berechnungen parallel ausgeführt werden. Dennoch ist der Quantencomputer aktuell noch nicht so schnell wie die bisher genutzten Supercomputer. Dazu wären 50 Qbit nötig. Wenn man so möchte haben die Ingenieure von IBM also noch einen ordentlichen Weg vor sich. Dennoch stellt die Präsentation des „IBM Q System One“ einen wichtigen Meilenstein dar. Denn nun können Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit der neuen Technologie experimentieren und bereits die ersten Anwendungen entwickeln. Auch die Grenzen der Nutzung von Quantencomputern lassen sich nun austesten.

Einige Branchen könnten besonders profitieren

Tatsächlich nutzt beispielsweise Volkswagen schon entsprechende Ansätze, um Verkehrsströme noch genauer analysieren und prognostizieren zu können. IBM-Firmenchefin Rometty ist jedenfalls überzeugt davon, dass den Quantencomputern die Zukunft gehört. In dem Präsentationsvideo des Unternehmens ist sogar die Rede davon, die Quantenrechner könnten irgendwann Probleme lösen, die uns aktuell noch viel zu komplex erscheinen. Wie immer bei neuen Technologien sind solche Versprechungen allerdings mit Vorsicht zu genießen. Experten haben zumindest schon einige Bereiche identifiziert, in denen Quantencomputer besonders hilfreich wären. Dazu gehören die Pharmaforschung, die Konstruktionstechnik, die Logistik und das Finanzwesen. Anbieter von Verschlüsselungssoftware hingegen müssen aufpassen. Mit einem voll leistungsfähigen Quantencomputer wären die meisten der bisher genutzten Verschlüsselungen schnell zu knacken.


Via: Techcrunch

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