Günther Schuh gehört zu den Pionieren der Elektromobilität in Deutschland. So konzipierte er an der RWTH Aachen einst den Streetscooter – und verkaufte das Unternehmen anschließend an die Deutsche Post. Daraufhin setzte er sich aber nicht zur Ruhe, sondern nahm das nächste Projekt in Angriff. Mit dem E.Go konzipierte er ein preisgünstiges Elektroauto für den Stadtverkehr. Das Ziel: Die Eroberung des Massenmarktes. Doch inzwischen kämpft das Startup mit Problemen. So berichten Medien, dass im Oktober 2019 nur ein Kredit der Aktionäre das Unternehmen vor der Insolvenz rettete. Außerdem wurde nun bekannt, dass im Jahr 2019 weniger Autos ausgeliefert wurden als geplant: Statt der geplanten 600 Kunden konnten nur 540 beliefert werden. Die Gründe für die Krise des Startups sind vielfältig. Drei Dingen dürften aber eine besonders große Rolle gespielt haben.


Bild: Ego Mobility

Drei Gründe für die Probleme des Startups

1. Die Konkurrenz ist deutlich größer geworden
Ursprünglich sollten bereits im Jahr 2018 die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden. Damals war der Markt für Elektroautos noch deutlich weniger stark umkämpft als heute. Tesla beispielsweise war noch fast ausschließlich mit Luxus-Autos in Deutschland vertreten. Und auch Volkswagen war noch weit davon entfernt, das Thema so stark voranzutreiben wie heute. Die Bedingungen für einen neuen Anbieter auf dem Markt wären also optimal gewesen. Das Problem: Die Produktion verzögerte sich und die ersten Fahrzeuge konnten erst im vergangenen Jahr ausgeliefert werden. Inzwischen ist der Markt aber deutlich kompetitiver geworden als ursprünglich kalkuliert.

2. Die Preiskalkulation wurde über den Haufen geworfen
Aus rein technischer Sicht ist der E.Go den Elektroautos von anderen Herstellern zumeist unterlegen. Schuh wollte den Markt daher mit einem besonders günstigen Preis erobern. Aktuell gibt es hier allerdings zwei Probleme. Zum einen sind die Kosten für einzelne Bauteile von Zulieferern gestiegen. Dies musste über einen höheren Verkaufspreis an die Kunden weiter gegeben werden. Zum anderen muss die staatliche Kaufprämie für Elektroautos zur Hälfte von den Herstellern finanziert werden. Weil das Aachener Unternehmen dafür aber kein Geld hat, kommen Käufer des E-Go nicht in den Genuss des Zuschusses. Der Preisvorteil wird so teilweise relativiert.


3. Die Finanzierung ist noch nicht gesichert
Ohne Einnahmen aus den Verkäufen der Fahrzeuge ist das Startup auf externe Investoren angewiesen. Diese scheinen aktuell noch an das Unternehmen zu glauben. Andernfalls hätten sie wohl keine Übergangsfinanzierung zur Verfügung gestellt. Allerdings muss der Kredit auch zurückgezahlt werden, weshalb fieberhaft nach neuen Geldgebern gesucht wird. Dies wiederum frisst Ressourcen, die eigentlich für den Aufbau der Serienfertigung benötigt würden. Klassische Autohersteller haben es da einfacher: Sie finanzieren den Aufbau der Elektro-Sparte schlicht mit den Einnahmen aus verkauften Autos mit Verbrennungsmotor.

Auch andere E-Startups haben mit Problemen zu kämpfen

Dass die Situation für Startups im Bereich der Elektromobilität in Deutschland aktuell nicht einfach ist, zeigt auch ein weiteres Beispiel: Das Münchener Unternehmen Sono Motors – das ein Elektroauto namens Sion auf den Markt bringen möchte – musste zuletzt eine Crowdfunding-Kampagne starten, um das Überleben der Firma zu sichern. Diese war zunächst einmal erfolgreich. Allerdings bleibt nun abzuwarten, ob auch alle Unterstützer tatsächlich die zugesagten Zahlungen tätigen. Auch in anderen Bereichen der Welt haben junge Unternehmen aus der Automobilbranche mit Problemen zu kämpfen. So werden in China die staatlichen Subventionen zurückgefahren – was eine Marktbereinigung zur Folge haben dürfte. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zudem wie schwierig das Unterfangen ist: Bisher konnte sich einzig und allein Tesla als neuer Akteur auf dem Automobilmarkt etablieren.

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