Anfang dieses Jahres machte eine kuriose Statistik aus internen Unterlagen der Deutschen Bahn die Runde: Demnach wiesen ICEs, die frisch aus der Werkstatt kamen, im Schnitt 21 Fehler auf. Diese waren zwar nicht sicherheitsrelevant, beeinträchtigten aber den Fahrkomfort – etwa wenn Kaffeemaschinen oder Toiletten nicht funktionieren. Die Fehler konnten allerdings während der Zeit in der Werkstatt oft nicht behoben werden, weil die Züge schon verspätet eintrafen und anschließend dringend wieder im Betrieb benötigt wurden. Ab dem Jahr 2023 sollen daher neue Züge des Typs ECx Abhilfe schaffen. Zumindest eine erste Simulation wurde in Berlin nun bereits der Öffentlichkeit präsentiert. Die 3 wichtigsten Fakten:


Bild: Deutsche Bahn

1. Die neuen Züge kommen aus Spanien

In der Vergangenheit setzt die Deutsche Bahn vor allem auf Züge der Hersteller Siemens und Bombardier. Als nun allerdings die Eurocity-Flotte ersetzt werden musste, entschied man sich für das spanische Unternehmen Talgo. Eine dauerhafte Abkehr von den klassischen Lieferanten soll dies aber nicht darstellen. Vielmehr habe die spanische Firma schlicht das beste Angebot abgegeben, so das Bahn-Management. Talgo sitzt in der Stadt Las Matas in der Nähe von Madrid und hat bereits seit dem Jahr 1994 auch ein Tochterunternehmen in Deutschland. Die gut 2.000 Mitarbeiter erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro. Für die ersten 23 bestellten ECx-Züge zahlt die Deutsche Bahn rund 550 Millionen Euro. Die Auslieferung wird sich aber über einige Jahre erstrecken.

2. Die Fakten: 230 Km/h und 570 Sitzplätze

Eine Mehrsystemlok wird im Normalfall insgesamt 17 Waggons ziehen und so maximal 570 Passagiere befördern. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 230 Stundenkilometern. Die erste Neuerung dürften die Fahrgäste schon beim Einsteigen erleben. Denn die Fußbodenhöhe liegt bei lediglich 76 Zentimetern. Bei normal hohen Bahnsteigen ist somit ein ebenerdiges einsteigen möglich – wovon insbesondere Rollstuhlfahrer und ältere Menschen profitieren dürften. Auch der Übergang zwischen den Waggons wird barrierefrei gestaltet. Damit auch keine Koffer im Weg herumsteht, soll es spezielle Ablageflächen für Großgepäck geben, sodass etwa auch Snowboards und Skier problemlos mitgenommen werden können. Für Fahrräder sind ebenfalls acht Stellplätze vorhanden.


3. Die erste Fahrt führt nach Amsterdam

Ende 2023 ist die Auslieferung des ersten Zuges geplant. Dieser soll dann auf der Strecke Berlin-Amsterdam zum Einsatz kommen. Für die Passagiere bedeutet dies: Die Fahrt dauert nur noch fünf Stunden und fünfzig Minuten – und damit rund eine halbe Stunde kürzer als zuvor. Anschließend ist geplant, den ECx auf den Strecken nach Sylt und Oberstdorf zum Einsatz zu bringen. Generell sehen die Planungen vor, die neuen Züge vor allem auf hoch frequentierten Touristenstrecken zu nutzen. Insgesamt könnten langfristig bis zu 100 Züge von Talgo gekauft werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Neuentwicklung auch im hektischen Alltag der Bahn besteht.

Der Fernverkehr der Bahn wird von immer mehr Menschen genutzt

Trotz der immer stärker werdenden Kritik an Verspätungen und technischen Problemen, laufen der Bahn allerdings keineswegs die Kunden weg. Als im Jahr 2015 ein neues Fernverkehrskonzept verabschiedet wurde, fuhren pro Jahr 130 Millionen Passagiere mit den Fernverkehrszügen des Konzerns. Inzwischen sind es schon stolze 145 Millionen Personen pro Jahr. Für die Bahn bedeutet dies: Die Kapazitäten müssen auch zukünftig weiter aufgestockt werden. So wurden neben den neuen ECx-Zügen auch bereits zahlreiche weitere moderne ICEs geordert. Allerdings kann die Produktion auch nicht beliebig hochgefahren werden, sodass es noch etwas dauern dürfte, bis die aktuellen Engpässe vollständig beseitigt sind.

Via: Deutsche Bahn

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