Die 50-köpfige Besatzung der deutschen Antarktisstation Neumayr III wird im nächsten Sommer (bei uns ist dann Winter) frisches Gemüse, vielleicht auch Obst genießen können. Nicht, dass der Klimawandel der Region so zugesetzt hätte, dass Pflanzen im Freien wachsen. Die Wissenschaftler und Techniker werden sich aus einem Spezialtreibhaus bedienen, das Paul Zabel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) an der Station 400 Meter von der Station entfernt aufbauen wird. Derzeit steht es in Bremen und wird ausgiebig getestet.


Optimales Wachstum ist garantiert

„Gurken, Radieschen, Paprika, Salate und Kräuter gedeihen bereits jetzt beim Testlauf in Bremen“, sagt Projektleiter Daniel Schubert vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme, und fügt hinzu: „Unter speziellem künstlichem Licht, wohl temperiert und ohne Erde nur von ausgesuchten Nährlösungen versorgt, können wir die Pflanzen schneller und produktiver als in ihrem natürlichen Umfeld wachsen lassen.“


Spezielle Lichtfarbe für jede Pflanze

Aeroponik nennt sich dieses Gärtnern unter extremen Bedingungen. Das Gewächshaus ist extrem gut isoliert, sodass es in der Antarktis mit vertretbarem Energieeinsatz betrieben werden kann. Der Innenraum ist hermetisch abgeschlossen und nur über eine Schleuse betretbar. Die Pflanzen wachsen in Wasser, das mit Nährstoffen angereichert wird, die optimales Wachstum ermöglichen. Die Luft enthält mehr Kohlendioxid als auf der Erde üblich. Auch das regt das Wachstum an: Pflanzen wandeln dieses Klimagas in Biomasse um. Als Sonne fungieren Leuchtdioden, die ein Gemisch aus rotem, blauem und weißem Licht erzeugen. Sie scheint täglich 16 Stunden lang. Dann haben die Pflanzen eine achtstündige Nachtruhe. Die Lichtfarbe wird computergesteuert für jede Pflanzenart optimiert.

Pestizide sind überflüssig

„Mit speziellen Filtern reinigen wir die Luft von Pilzspuren und Keimen und betreiben eine Anlage zur Luftsterilisation mittels UV-Strahlung“, so Projektleiter Schubert. So ist sichergestellt, dass auch ohne den Einsatz von Pestiziden und Insektiziden ausschließlich gesunde Pflanzen heranwachsen, die ihre Nährstoffe nicht mit unerwünschten Nebenbuhlern teilen müssen. Das Gewächshaus trägt den Namen ISS Eden. Das deutet schon auf eine künftige Verwendung hin. Es soll, wenn der Versuch in der antarktischen Kälte gelingt, künftig die Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) mit frischen Produkten versorgen.

via DLR

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.