Das Thema Lebensmittelverschwendung ist durchaus vielschichtig. Klar ist aber, dass die Problematik auch vom Wohlstand einer Gesellschaft beeinflusst wird. In Schwellen- und Entwicklungsländern gehen die meisten Lebensmittel relativ weit vorne im Produktionsprozess verloren – etwa bei der Lagerung und dem Transport. In Industriestaaten hingegen verschiebt sich das Phänomen nach hintern. Hier findet die Verschwendung bei den Händlern und den Verbrauchern statt. Das tschechische Parlament hat daher bereits im vergangenen Jahr ein neues Gesetz beschlossen. Große Supermärkte, die noch haltbare Produkte aus dem Regal nehmen, sind seitdem verpflichtet, diese zu spenden. Erster positiver Effekt der neuen Regelung: Die Lebensmittelbanken verzeichneten deutlich mehr Spenden.


Lebensmittelverschwendung
Foto:Weggeworfene Lebensmittel; Urheber Foerster CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Der entscheidende Satz steht auch im deutschen Grundgesetz

Insgesamt 25 Senatsabgeordnete klagten allerdings gegen das Gesetz. Ihr Argument: Es findet faktisch eine Enteignung statt, weil der Händler nicht mehr frei über seine Ware verfügen kann. Diese Tatsache ist nicht komplett von der Hand zu weisen. Dennoch wiesen die Richter die Klage nun ab und verwiesen dabei auf einen wichtigen Satz aus der tschechischen Grundrechte-Charta: „Eigentum verpflichet.“ Die Richter sehen es daher als verhältnismäßig an, den Supermärkten in diesem Punkt Vorgaben zu machen, um den weltweiten Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung zu unterstützen. Interessant in diesem Zusammenhang: Der Satz „Eigentum verpflichtet“ findet sich auch im deutschen Grundgesetz. Bisher ist aber hierzulande noch keine ähnliche Vorschrift für Supermärkte geplant. Einige deutsche Konzerne sind aber dennoch betroffen. Denn Kaufland, Penny und Lidl gehören zu den größten Supermarktketten in Tschechien.

In Frankreich gilt eine noch strengere Regelung

Verstoßen sie gegen die Spendepflicht drohen ihnen Geldstrafen in sechsstelliger Höhe. Allerdings betrifft die Neuregelung nur waren, die noch haltbar sind, aber trotzdem nicht mehr verkauft werden. Dies kann beispielsweise bei zeitlich befristeten Sonderangeboten der Fall sein oder wenn Regalflächen neu vergeben werden. Abgelaufene Lebensmittel müssen hingegen in Tschechien nicht gespendet werden. Anders sieht dies in Frankreich aus. Dort müssen die Supermärkte noch genießbare Lebensmittel ebenfalls einer wohltätigen Organisation übergeben. Ist die Haltbarkeit hingegen nicht mehr gewährleistet, müssen die Produkte entweder als Tierfutter oder für den Kompost genutzt werden. In allen europäischen Ländern gilt aber auch weiterhin: Die meisten Lebensmittel werden in den Privathaushalten weggeworfen.


Via: Utopia

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