Als im Jahr 2000 die Mobilfunkfrequenzen für den neuen Standard UMTS vergeben wurden, freute sich der Finanzminister über einen unerwarteten Geldsegen: Rund 50 Milliarden Euro flossen damals in den Bundeshaushalt. Im Nachhinein zeigte sich aber: Die hohen Kosten für die Lizenzen sorgten dafür, dass die Unternehmen beim Ausbau der Infrastruktur sparten. Regionen, in denen keine schnellen Gewinne zu erwarten waren, wurden oftmals ausgespart. Viele der damals entstandenen Funklöcher existieren bis heute. Nun erwarten Experten, dass sich ähnliches bei den Funkfrequenzen für den neuen 5G-Standard wiederholen könnte. Denn schon jetzt liegen die Gebote der Mobilfunkbetreiber über den Erwartungen der Experten – und die Auktion läuft noch.


Bild: Claudio Alvarado Solari

Die Idee: Niedrigere Preise für höhere Auflagen

Dafür verantwortlich ist unter anderem die Tatsache, dass mit 1&1 Drillisch ein neuer Mitbieter aktiv ist. Die Zahl der Bieter hat sich damit auf vier erhöht. Grundsätzlich ist dies zu begrüßen, weil mehr Wettbewerb letztlich dem Kunden nützt. Experten kritisieren allerdings, dass durch die Auktion zu viel Geld aus der Branche gezogen wird. Ähnlich wie zu Beginn des Jahrtausends könnten darunter wichtige Investitionen in die Infrastruktur leiden. Stattdessen fordern sie, die Vergabe der Lizenzen mit höheren Auflagen zu versehen. Eine vergleichsweise einfache Maßnahme: Die Netzabdeckung sollte sich nicht mehr an Haushalten, sondern an der Fläche orientieren. Denn wenn 98 Prozent der Haushalte angeschlossen sind, entspricht dies nur knapp 90 Prozent der Fläche Deutschlands.

Die Verwendung der Einnahmen sollte überdacht werden

Die Menschen wollen schnelles Internet auf dem Smartphone aber nicht nur in den eigenen vier Wänden nutzen, sondern vor allem auch unterwegs. Bei einer Umstellung von Haushalten auf Fläche würden sich die Anforderungen an die Netzbetreiber also erhöhen. Im Gegenzug könnten sie bei den Kosten für die Frequenzen entlastet werden, so die Überlegung. Aktuell ist zudem geplant, die Einnahmen aus der Auktion zu nutzen, um den Breitband-Ausbau im Festnetz-Bereich voranzutreiben. Dafür liegen allerdings bereits große Summen aus anderen Fördertöpfen bereit. Sinnvoller wäre es daher, das Geld im System zu lassen und damit die Mobilfunkabdeckung auf dem Land zu fördern. Denn das Ziel der Auktion ist nicht, den Bundeshaushalt zu stützen. Stattdessen soll der neue 5G-Standard so schnell und flächendeckend wie möglich implementiert werden.


Via: Dlf

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping
Tags

2 Kommentare

  1. Olaf Barheine

    23. April 2019 at 13:01

    Die Geschichte wiederholt sich. Funklöcher und hohe Mobilfunkkosten inklusive.

  2. Björn

    25. April 2019 at 09:51

    Klar, weil Menschen dumm wie Stroh sind.
    Was aber ist mit den gesundheitlichen bedenken zum G5-Netz, wie es in der Schweiz genannt wurde? Wollen/Können/Dürfen das die alten Säcke von Politikern nicht sehen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.