Dass sich Pflanzen und Tiere im Laufe der Zeit an die Umgebung anpassen, ist bereits seit einigen Jahrhunderten bekannt. Wie die Evolution aber genau beeinflusst wird, ist bisher im Detail noch nicht erforscht. Forscher der Universität Zürich haben daher nun ein einzigartiges Experiment gestartet. Sie pflanzten dafür schnell wachsende Rübsen in Gewächshäusern an und bildeten insgesamt vier Untersuchungsgruppen. So wurde ein Teil der Pflanzen von Hummeln bestäubt, ein Teil von Hand bestäubt, ein Teil wurde mit Raupen versetzt und ein Teil wuchs in einer komplett schädlingsfreien Umwelt. Schon nach sechs Generationen ließ sich beobachten: Die Evolution hat dafür gesorgt, dass sich die Pflanzen jeweils deutlich unterschiedlich entwickelt haben.


Eine Honigbiene entfernt sich von einer Blüte

Schädlinge sorgen für stärkere Schutzmaßnahmen

So haben die Pflanzen, die in einer Umgebung ohne Raupen und mit Hummeln lebten, deutlich größere und stärkere Blüten entwickelt. Im Gegenzug wiesen die Rübsen, die sich ihre Umwelt mit Raupen teilen mussten, mehr Schutzvorrichtungen auf. Weil diese aber auch die freundlichen Bestäuber abhalten können, stellte sich noch ein zweiter Effekt ein: Die Selbstbestäubung wurde stark ausgebaut. Interessant in diesem Zusammenhang: Die Raupen haben die Blüten gar nicht angegriffen. Stattdessen haben die kleinen Tiere lediglich die Blätter der Pflanzen gefressen. Trotzdem entwickelte die Evolution offensichtlich umfassende Schutzmaßnahmen. Solche und ähnliche Beobachtungen konnten die Forscher in allen vier simulierten Lebensräumen machen. Offensichtlich haben also sowohl Nutztiere als auch Schädlinge großen Einfluss auf die evolutionäre Entwicklung von Pflanzen.


Weitere Forschungsarbeit ist dringen nötig

In Zukunft könnten solche und ähnliche Experimente zudem noch einmal deutlich wichtiger werden. Denn es sollte für jeden offensichtlich sein, dass der Klimawandel große Auswirkungen auf das Öko-System und die Evolution haben wird. Um zu verstehen, welche Veränderungen sich jeweils konkret ergeben, fehlt es oftmals aber noch an einer wissenschaftlichen Basis. Ein anderes Beispiel ist das seit einigen Jahren zu beobachtende Insektensterben und die dadurch entstehenden Auswirkungen auf die Pflanzenwelt. Auch hier gibt es teilweise noch Nachholbedarf bei der Frage, wie die Pflanzen genau auf die sich verändernden Bedingungen reagieren werden. Der Initiator des Experiments in Zürich, Florian Schiestl, hofft daher, zukünftig zahlreiche Nachahmer in der Welt der Wissenschaft zu finden.

Via: Deutschlandfunk

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