Nahezu lautlos gleitet der Schubleichter-Verband über die Untere Havel. Nicht einmal ein „Blub-Blub“ ist zu hören, wie es eigentlich typisch ist für Binnenschiffe. Aber es ist auch kein typisches Binnenschiff. Das weitgehend in Grün gehaltene Schubboot, das einen einzelnen Leichter, beladen mit Kohle, gen Berlin schiebt, ist das erste seiner Art, das rein elektrisch betrieben wird. Ende nächsten Jahres wird das Phänomen erstmals zu sehen sein. Dann nimmt „Elektra“ Fahrt auf. Der Bau des Schiffes, das 19 Meter lang und 8,2 Meter breit breit ist, hat gerade auf der Schiffswerft Barthel in Elbe-Parey im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt begonnen.


Bild @EBMS; Elektra Konzept

Batterien und Brennstoffzellen reichen für 130 Kilometer

Den Strom beziehen die beiden je 200 Kilowatt starken Motoren aus Batterien an Bord, die eine Kapazität von 2,32 Megawattstunden haben. Eine Ladung reicht für eine 65 Kilometer weite Fahrt, die rund acht Stunden dauert. Soll es weiter gehen, springen drei Brennstoffzellen an Bord ein, die jeweils 100 Kilowatt haben. Sie werden aus sechs Druckbehältern versorgt, die insgesamt 750 Kilogramm Wasserstoff bei einem Druck von 500 bar speichern. Das reicht für weitere 65 Kilometer und acht Stunden. Strom und Wasserstoff tankt die „Elektra“ an Bunkerstationen, die in Hamburg, Lüneburg und Berlin, später auch in Stettin errichtet werden sollen. Zwischen diesen Städten pendelt das Schubschiff. Die Ladezeit liegt bei etwa sieben Stunden. Neben Kohle transportiert der Leichter, den es schiebt, Kies, Schrott und so genanntes Stückgut. Wertvollste Fracht werden 520 Tonnen schwere Gasturbinen sein, die Siemens in Berlin baut. Sie werden für den Export nach Hamburg transportiert.

Die Elektra im Video


Fotovoltaikanlage an Bord

Der Strombedarf der übrigen Verbraucher an Bord wie Navigationssystem, Radar und Beleuchtung wird aus einer zusätzlichen Batterie mit einer Kapazität von 230 Kilowattstunden gedeckt. Eine Fotovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 2,5 Kilowatt entlastet diesen Speicher zeitweise.
Geplant und konzipiert worden ist die „Elektra“ von Professor Gerd Holbach, Leiter des Fachgebiets Entwurf Maritimer Systeme am Institut für Schiffs- und Meerestechnik an der Technischen Universität Berlin, und einem Team von inner- und außeruniversitären Partnern. Auftraggeber ist die Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft. Die Kosten liegen im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, von denen einen Teil das Bundesverkehrsministerium trägt. Ziel der Entwicklung ist es, die Menschen, die an den Wasserstraßen wohnen, von Umweltgiften zu entlasten.

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