Elektroautos fristeten jahrelang eher ein Schattendasein: Die Wagen schafften einfach nicht genug Kilometer, die Ladezeiten waren allzu lang und die Infrastruktur fiel extrem dürftig aus. Doch inzwischen ist eine deutliche Wende in Sicht, das zeigt sich an den folgenden Punkten.


Kilometerleistung und Anschaffungskosten: Diese beiden Komponenten waren den Kritikern lange ein Dorn im Auge. Doch wenn wir nun auf den Elektro-SUV blicken, den Audi für 2018 in petto hat, und der mit einer Aufladung 500 km schaffen soll, sehen wir, dass sich auf diesem Gebiet einiges tut. Jaguar lässt sich auf diesem Gebiet ebenfalls nicht lumpen, Fisker fasst sogar 700 km Reichweite ins Auge. Tesla und Opel mischen mit ihren neuen Modellen ab 2017 die Karten neu, der Amera-e und das Model 3 sollen weit mehr als 300 schaffen und unter 35.000 Euro kosten.


Ladestationen: Nachdem allmählich klar wurde, dass die Energieversorger und der Staat keine Tausende von Lademöglichkeiten für Elektroautos aus dem Boden stampfen werden, springen ab nächstes Jahr die Autohersteller in die Bresche. Ford, BMW, Daimler und Volkswagen wollen ein Schnelllade-Netz mit zuerst 400 Einzelstationen aufbauen, das sich bis zum Jahr 2020 mengenmäßig vervielfachen soll. 350 kW statt der bisher üblichen 135 kW werden an jeder Strom-Tankstelle zur Verfügung stehen.

Batterien: Große Batteriewerke in der Nähe der großen Autohersteller sind in Planung oder ihr Bau hat bereits begonnen. Beispielsweise entsteht im ungarischen Göd aktuell eine entsprechende Fabrik für Lithium-Ionen-Zellen und Batteriepackages des Zulieferers Samsung SDI. Auch in Polen soll bald ein entsprechendes Batteriewerk der Firma LG Chem gebaut werden: Diese Millioneninvestitionen im dreistelligen Bereich sprechen dafür, dass die Autokonzerne den Elektro-Aufschwung im Blick behalten.

Investitionen: Wo wir grad bei Großinvestitionen sind! VW hat für die nächsten drei Jahre immerhin 3,5 Milliarden Euro eingeplant, um die deutschen Niederlassungen umzurüsten. Für den Elektroautobereich ist nicht die volle Summe reserviert, aber immerhin ein erheblicher Teil. Daimler investiert sogar 10 Milliarden in den E-Auto-Sektor.

Ölindustrie: Die internationale Ölindustrie stellt sich allmählich auf den ganz großen Wandel ein. Shell rechnet nun in einer offiziellen Studie damit, dass die Nachfrage ab dem Jahr 2021 erstmals stagnieren wird, weil andere Energieträger zum Zuge kommen. Die Internationale Energieagentur rechnet für das Jahr 2014 weltweit mit 150 Millionen Elektroautos.

China: In China zeigen dauerhafte Fördermaßnahmen allmählich sichtbare Wirkung, die Nachfrage nach kleinen E-Stadtflitzern steigt massiv an. Da die Metropolen des Landes unter der hohen Smogbelastung ächzen, werden bei den Neuzulassungen E-Autos deutlich bevorzugt, das befeuert den Boom. Die großen Autohersteller haben längst die Startlöcher verlassen, um den dortigen Markt zu erobern.

Deutschland: Auch bei uns tut sich so einiges. Der Dieselskandal wirkt als eine Art Antriebsfeder für den Umschwung in Richtung E-Auto. Die Neuzulassungen für Dieselfahrzeuge gehen aktuell zurück, der Bundesrat forderte längst einen Verkaufsstopp für Diesel und Benziner im Jahr 2030.

Eine ganze Branche orientiert sich nach jahrelangem Zögern endlich neu, das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft. Ganz dringend müssen die Ladezeiten nun noch sichtbar sinken oder alternativ ein schneller Akku-Tausch angeboten werden. Ladestationen mit 135 kW schafften bei Tesla bereits eine 80-prozentige Aufladung innerhalb dreißig Minuten, die geplanten 350 kW-Stromsäulen könnten an dieser wichtigen Stelle den Durchbruch bringen. Innerhalb weniger Minuten auftanken zu können, so, wie wir es gewohnt sind, wird wahrscheinlich das Zünglein an der Zeitenwende-Waage sein.

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