Herannahende Elektroautos hört man häufig nicht – besonders wenn sie langsam fahren. Das stellt eine reale Gefahr dar. Die US-amerikanische Verkehrsbehörde NHTSA fand heraus, dass elektrische Autos im Vergleich mit konventionellen Fahrzeugen 37 Prozent häufiger in Unfälle mit Fußgängern verwickelt sind. Vor allem für Blinde sind Elektroautos gefährlich. Den Blindenverbänden ist es es deshalb zu vergleichen, dass in der EU ab nächstem Jahr akustische Warnsignale für Elektroautos eingeführt werden.


Warnton wird ab 2019 schrittweise verpflichtend

Aktuell können Blinde im Straßenverkehr sich noch weitestgehend auf die Motorgeräusche von Autos verlassen und sich an ihnen orientieren. Mit einem geschulten Gehör lässt sich heraushören, ob ein Fahrzeug sich nähert, aus welcher Richtung es kommt und ob es mit gleichbleibender Geschwindigkeit unterwegs ist oder bremst oder beschleunigt. Bei Elektroautos sieht das anders aus. Sie sind so leise, dass sie vor allem bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h kaum zu hören sind. Fahren sie schneller, so dienen die Reifengeräusche als Warnung.


Der fehlenden Warnung durch die Fahrgeräusche steht gegenüber, dass Elektroautos vor allem in Städten generell deutlich weniger Verkehrslärm erzeugen, was als angenehm empfunden wird. Allerdings wird das nicht immer so bleiben. Ab 1. Juli 2019 wird in der EU Schritt für Schritt ein verpflichtender Warnton für Elektroautos eingeführt. Vorerst müssen nur neue Elektroautotypen mit dem sogenannten AVAS (Acoustic Vehicle Alerting System) ausgestattet sein, ab Sommer 2021 ist das System dann für alle neu in den Verkehr gebrachten rein batterieelektrischen Autos, sowie für Plug-in Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge vorgeschrieben. Das umfast. nicht nur PKW, sondern auch Nutzfahrzeuge und Busse.

EU-Verordnung auf Druck der Blindenverbände

Die entsprechende EU-Verordnung wurde bereits 2014 beschlossen und sieht einen Warnton bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h vor. Der Ton soll dem eines Verbrennungsmotors nachempfunden werden und aus minimal zwei Terzbändern bestehen, von denen eines unter 1600 Hertz liegen muss. So sollen auch Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit gewarnt werden. Die Lautstärke muss zwischen 56 dB(A) und 75 dB(A) liegen.

Dabei soll der Ton auch widerspiegeln, ob das Auto beschleunigt – und zwar indem es in eine höhere Frequenz geht. Außerdem sind Rückfahrgeräusche verpflichtend.

Die Einführung des AVAS ist weitestgehend den Blindenverbänden auf der ganzen Welt zu verdanken. Die Weltblindenunion (WBU), die Europäische Blindenunion (EBU) und der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) haben international Druck ausgeübt, bis das Warnsystem eingeführt wurde. „ Gern hätten wir wie in Amerika auch in Deutschland den Warnton bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h gehabt. Fußgänger können ein Elektroauto akustisch erst dann wahrnehmen, wenn es weniger als acht Meter entfernt ist„, so Hilke Groenewold vom DBSV.

Mercedes sperrt das Warngeräusch aus dem Innenraum aus

Natürlich werden nicht nur Blinde von dem Warngeräusch profitieren. Auch Menschen, die etwa durch ein Smartphone abgelenkt sind oder Kopfhörer tragen werden von dem System profitieren. Gegenstimmen kritisieren, dass das Geräusch das Gefühl des lautlosen Gleitens auf den Straßen für die Fahrer mindern wird. Je nach Automodell ist das Geräusch nämlich auch im Innenraum präsent. Mercedes will das seinen Kunden nicht zumuten und passt deshalb die Geräuschdämmung seiner Elektroautos an. „ Unser Anspruch ist es, den künstlich erzeugten Ton nicht nach innen gelangen zu lassen„, so -Michael Kelz, der für die Entwicklung des EQC verantwortlich ist.

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