Wenn es um alternative Antriebe geht, steht Deutschland im internationalen Vergleich weniger gut dar. Während wir in Sachen Elektromobilität inzwischen ebenfalls auf den Zug aufspringen, fristet die Brennstoffzellentechnologie weiterhin ein Schattendasein. Die Hersteller setzen vor allem auf Elektromobilität – und das hat zwei Gründe.


Symbolbild

Wasserstoff wäre vor allem bei LKW sinnvoll

Deutsche Autos sind auf der ganzen Welt für ihre hohe Qualität bekannt. Umso verwunderlicher, dass die deutsche Automobilindustrie viel aufzuholen hat, wenn es um alternative Antriebstechnologien geht. Wenn es um traditionelle Antriebe geht, sind die deutschen Hersteller auch weiter vorne mit dabei. Aber Elektromobilität und Brennstoffzellen-Antriebe sind hierzulande noch schwer ausbaufähig.

Insbesondere letzte Antriebsart gerät mehr und mehr in den Hintergrund. Wenn heute über Antriebsvarianten für die Zukunft geredet wird, geht es zumeist um Elektromotoren mit Batterie. Dabei bieten Wasserstoffantriebe durchaus Vorteile. So geht etwa das Tanken von Wasserstoff wesentlich schneller vonstatten als das Aufladen einer Batterie. Der nahezu ausschließliche Fokus der deutschen Autobauer verwundert daher durchaus. Insbesondere als Antriebsart für schwere Fahrzeuge wie etwa LKW haben Brennstoffzellen gegenüber der normalen Elektromobilität eigentlich die Nase vor. Denn insbesondere bei schweren LKW ist die Reichweite der Batterien schnell am Limit.


Trotz der durchaus zu bejahenden Frage nach der Daseinsberechtigung von Brennstoffzellen ist die Technologie in Deutschland quasi nicht existent. Letztes Jahr waren hierzulande 329 wasserstoffgetriebene PKW, 16 Busse und zwei LKW zugelassen. In Asien sieht das anders aus, was vor allem auch daran liegt, dass die Autobauer Hyundai und Toyota die Technologie forcieren.

Elektromobilität bekommt aktuell den Vorzug

Bei Daimler kann man exakt ein Hybrid mit Batterie und Brennstoffzelle kaufen. Insgesamt scheinen Wasserstoffautos in Deutschland wenn überhaupt ein Thema für die Zukunft zu sein. Das liegt unter anderem auch an den CO2-Grenzwerten für die Fahrzeugflotten, die von den Herstellern so schnell wie möglich unter Kontrolle bekommen werden müssen. Außerdem ist die Technologie für Elektromobilität bereits verfügbar und kann schnell für den Markt hochskaliert werden. Zudem ist Strom leichter verfügbar als Wasserstoff. Letzterer muss mittels Elektrolyse aus Wasser gewonnen werden. Dieser Vorgang schluckt viel Energie und ist eigentlich nur bei der Verwendung von erneuerbaren Energien wirklich sinnvoll.

Bei der Frage, welche Technologie unter Betrachtung von Sozial- und Umweltaspekten die beste Lösung ist, steht die Forschung noch am Anfang. Zumindest in Sachen CO2-Footprint scheint die Elektromobilität aktuell die Nase vorne zu haben – aber eben auch nicht so meilenweit, wie man denken würde. Außerdem konzentriert sich die Elektromobilität noch auf Lithium-Ionen-Akkus. Die dafür benötigten Rohstoffe sind nicht nur endlich, sondern werden teilweise auch unter schlechten Bedingungen abgebaut. Welcher Antrieb wirklich sinnvoller ist, ist also noch nicht klar. Allerdings scheint es absehbar, dass zumindest in Deutschland die Elektromobilität vorerst das Mittel der Wahl ist. Das macht das Vorpreschen von VW mit der E-Mobilitäts-Offensive gerade sehr deutlich.

"

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

1 Kommentar

  1. Andro Wegner

    23. März 2019 at 11:37

    Danke für diesen ausgewogenen Artikel! Leider werden Brennstoffzellen zu wenig diskutiert. Zu Unrecht, wie ich. meine. Dazu ein paar Gedanken nach meinem derzeitigen Wissens-Stand.

    Für die Batterie spricht meines Wissens deren Effizienz von 90% und mehr. Dazu kommen dann nur noch die Energie-Verluste bei der Strom-Erzeugung und beim Strom-Transport. Wenn man zur Stromerzeugung keine ineffizienten Kohlekraftwerke nimmt, sondern Sonne, Wind und Gas in Kraft-Wärme-Kopplung, hat man einen geringen Kraftstoff-Verbrauch, wenig Schadstoffe und eine traumhafte Energie-Ausbeute.

    Da wirken Verbrennungsmotoren mit Benzin und Diesel geradezu vorsintflutlich. Erdöl-Förderung, Raffinerien und Transport sind energieaufwendig. Der Verbrennungsmotor setzt nur ein Drittel der Energie in Bewegung um. Die Schadstoffe sind vielfältig und entstehen massenhaft.

    Die Brennstoffzelle liegt da dazwischen. Sie schlägt den Verbrennungsmotor entschieden, erreicht aber nicht die Effizienz der Batterie. Hinzu kommt, dass die H2-Gewinnung aus H2O aufwendig ist. Energietechnisch lohnt sich das nur mit Überschussstrom aus Erneuerbaren. Und genau den gibt es seit Jahren in Mengen. Teilweise 4-5 TWh im Jahr. Teilweise existieren schon Elektrolyseure, die erhebliche Mengen an H2 produzieren. Teils sind sie in Bau. Wäre man so schlau und würde den schon vorhandenen CO2-freien Wasserstoff an die schon vorhandenen H2 Tankstellen liefern, dann wären die schon vorhandenen H2-Autos mit einem Schlag klimaneutral und damit doppelt attraktiv.

    Meine persönliche Empfehlung wäre daher – für alle, die sichs leisten können – schon jetzt ein H2-Auto anzuschaffen. Denn gerade ein Hyundai NEXO bietet für seinen Preis richtig viel, hat Einparkassistent, Rückkameras ohne Totwinkel, viel Platz, gute Fahreigenschaften und die Möglichkeit, externe Geräte mit Strom zu versorgen.

    Wenn also Leute, die es sich leisten können, Wert darauf legen, schon jetzt – oder zumindest bald – klimaneutral zu fahren, würde ich diese Lösung empfehlen. Das hätte beiläufig den Effekt, dass die Autos billiger werden. Es würde einen Markt schaffen, der die klimaneutrale H2-Gewinnung forciert und die Umstellung der H2-Tankstellen auf sauberen Wasserstoff vorantreibt. Gleichzeitig sorgt man dafür, dass die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden. Man macht damit Druck auf die Politik, die Tankstellen-Betreiber und die Autoindustrie und bringt das, was die gerade nicht auf die Reihe bringen, entschieden voran. Es könnte sogar sein, dass man mit dieser einfachen Maßnahme indirekt die H2-Mobilität auf der Schiene und die neue Technologie der H2-Brennstoffzellen-Blockheizkraftwerke fördert. Denn wo der klimaneutrale Wasserstoff erst einmal vorhanden ist, kommen viele Leute auf Ideen. Möglicherweise trägt man sogar dazu bei, dass sich ein deutscher Hersteller endlich aus der Deckung wagt und seine eigene H2-Technologie forciert. 😉

    Fazit: Die energietechnische Effizienz und die aktuelle gesellschaftliche und klimatechnische Effizienz der beiden Antriebe liegt derzeit weit auseinander.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.