VW befindet sich momentan in einer buchstäblichen Elektro-Offensive. Der Konzernchef Herbert Diess forciert die Elektromobilität als Technologie der Zukunft und möchte VW über die nächsten Jahrzehnte zu einem Hersteller von Elektroautos formen. Im Rahmen dieser Pläne fordert VW auch ein Umdenken bei staatlichen Subventionen für Elektroautos. Wer sich die Forderungen genau ansieht, der kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es Diess dabei eher um VW als um die Kunden als Empfänger der Subventionen geht.


VW fordert Umdenken bei Subventionen

VW konzentriert sich bei seinen Forderungen vermehrt auf Geringverdiener. „Uns geht es darum, die individuelle Mobilität auch in Zukunft für viele Menschen zu erhalten und im Volumensegment bezahlbar zu machen„, so Diess. Das Problem dabei: Die Wende zum Elektroauto wird erstmal mit steigenden Preisen einhergehen, auch bei kleineren Modellen. Hier setzt Diess dann auf seine Forderungen nach Subventionen, die VW und der Autobranche helfen soll.


Der steigende Druck durch CO2- und andere Grenzwerte hat dazu geführt, dass VW mittelfristig hauptsächlich auf Elektromobilität setzen will. Bereits 2020/21 sollen die Neuzulassungen von Elektroautos einen Anteil von 15 Prozent erreicht haben. Bis 2030 muss VW einen 40-prozentigen Anteil von Elektroautos in der Flotte haben, um Milliarden Euro Strafzahlungen an die EU wegen veränderten Grenzwerten zu vermeiden. Das wird nach der Ansicht des Unternehmens schwierig, wenn es keine zusätzlichen staatlichen Förderungen gibt. „ Alle gegenwärtigen finanziellen Fördermaßen reichen nicht aus. Besonders Geringverdiener und Kleingewerbe laufen Gefahr, nicht an der Elektrifizierung der Automobilität zu partizipieren, da ihr bevorzugtes Fahrzeugsegment in Zukunft überproportional eine Preisanpassung erfahren wird„, so Diess. Die Wolfsburger fordern daher in einem als vertraulich eingestuften Strategiepapier, das mehreren deutschen Medien vorliegt, die Kaufprämie für Elektroautos auch von der Länge des Wagens abhängig zu machen. Spezifisch sollen längere Wagen weniger gefördert werden als kürzere.

Kostenloser Strom für Geringverdiener

Als Alternative schlägt VW vor, Fahrzeuge mit einem Listenpreis von unter 20.000 Euro bis 2025 mit dem doppelten Umweltbonus zu belohnen. Interessant dabei: 20.000 Euro ist der Preis, den Volkswagen mittelfristig mit seiner ID-Familie unterbieten will.

Außerdem schlägt VW einen „Mobilitätsfond Elektromobilität“ vor, der bei Fahrzeugen unter 20.000 Euro für Geringverdiener kostenlosen Ladestrom finanzieren soll. So soll unter anderem schnell ein Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos geschaffen werden. An der Finanzierung sollen die Hersteller, der Bund und die Stromkonzerne beteiligt sein.

Auch bei dem geplanten Aufbau einer europäischen Produktion von Batteriezellen setzt VW auf staatliche Förderungen und hat entsprechendes Interesse beim Bundesministerium für Wirtschaft bekundet. „ Der Volkswagen Konzern möchte sich an der Initiative von Bundesminister Altmaier zur Förderung der industriellen Fertigung von mobilen und stationären Batterien beteiligen„, so heißt es vom Konzern.

Insgesamt ist die Forderung nach mehr Förderungen sinnvoll. Länder wie Norwegen haben gezeigt, dass sich der Anteil zugelassener Elektroautos so effektiv und schnell erhöhen lässt. Allerdings sind die Vorschläge von Volkswagen eben auch deutlich auf das Unternehmen zugeschnitten.

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2 Kommentare

  1. Andro Wegner

    19. März 2019 at 19:03

    Abgesehen davon, dass der Konzern sich zuerst eine Konzern-Strategie zurecht gebastelt hat und nun ein passendes Förder-Programm fordert – welch Wunder! – sind manche Forderungen durchaus sinnvoll. Das Hochpreis-Segment hat inzwischen gut Fahrt aufgenommen und entwickelt möglicherweise eine Eigendynamik, die nicht mehr der vollen Unterstützung bedarf.

    Es besteht vielmehr die Gefahr, dass Leute, die bisher auf das Niedrigpreis-Segment zur Befriedigung ihrer Mobilitäts-Bedürfnisse gesetzt haben, sich nun ausgeschlossen fühlen.. Das ist zum einen ein Image-Problem für den Konzern, wenn er sich der ungeliebten, für diese Klientel unattraktiven E-Mobilität verschreibt. Zum anderen ist es auch ein gesellschaftliches Problem, das die Politik nicht vernachlässigen darf. Denn wenn individuelle Mobilität nur noch denen uneingeschränkt zur Verfügung steht, die das nötige Kleingeld haben, widerspricht das den Grundwerten unserer Gesellschaft.

    Gleichzeitig wird die Masse der kleinen, alltagstauglichen E-Autos darüber entscheiden, ob dieses Land den Weg in eine umweltfreundlichere Zukunft schaffen wird – und nicht die begrenzte Menge der elektrischen Spaß-Mobile für die Oberschicht. VW fühlt sich von seiner Tradition dem Massen-Markt verpflichtet und schon die Entwicklung vergangener Jahre mit relativ teuren Einsteiger-Modellen war eine Form von Verrat. Sich mit der neuen Elektro-Strategie zugleich vom Massen-Markt zu verabschieden, wäre gefährlich, sowohl für unsere Gesellschaft als auch für den Konzern.

  2. Eljah

    19. März 2019 at 20:28

    VW und insbesondere H. Diess sind sicher nicht nur für mich ein rotes Tuch. Dieser Mensch hätte längst hinter Gitter sitzen müssen. Aber egal, was von WW auch kommt: Nie wieder VW. Die Herren haben den Trend zu Elektro seit Jahren ignoriert bzw. verschlafen. Konkurrenz wurde nur müde arrogant belächelt. Und nun plötzlich eine 180 Grad Wende und natürlich, wen wundert`s, ein Ruf nach Geld vom Staat! Geht`s noch?! Steuergelder an die Betrüger in den Chefetagen der großen deutschen Konzerne? Nur zur Erinnerung: VW hat gelogen und betrogen, dass die Balken biegen. Nachweislich. Auch der Herr Diess höchstpersönlich. Klar, VW will sein Image retten und nicht mehr in die Vergangenheit schauen. Aber der deutsche Autokäufer vergisst nicht so schnell. Hoffe ich.

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