Noch sind Elektroautos auf deutschen Straßen nicht besonders verbreitet. Mit der Elektromobilitäts-Offensive diverser Hersteller dürfte sich das ändern. Mehr Elektroautos auf den Straßen bedeutet aber auch, dass jeden Abend viele Stromer zum Laden ans Stromnetz angeschlossen werden. Der Ausbau der Elektromobilität ist deshalb auch für die Stromwirtschaft eine große Herausforderung. Einen Ausfall der Netze befürchten die Energieversorger indes nicht.


Symbolbild

Elektroautos führen zu Lastspitzen

Noch ist es nicht so weit. Von einem „Durchbruch der Elektromobilität“ kann man wahrlich noch nicht sprechen. Wenn in ein paar Jahren (oder ein paar Jahren mehr, je nachdem, wie es mit dem Bereich Elektromobilität weiter geht) jeden Abend ein paar Hunderttausend oder gar Millionen Elektroautos ans Netz gehen, wird das die Stromnetze vor neue Herausforderungen stellen. Die Energieversorger haben bereits damit begonnen, sich auf solch ein Szenario vorzubereiten. Dabei geht es nicht primär um das Plus an Stromverbrauch, das durch die Elektroautos verursacht wird. Bei angenommenen zehn Millionen E-Autos im Jahr 2030 würde der Bruttostromverbrauch um vier bis fünf Prozent ansteigen – ein Anstieg, der durchaus kompensiert werden könnte. Die Netze sind bereits heute technisch in der Lage, das Mehr an Strommenge zu verkraften.

Problematischer ist die Tatsache, dass wahrscheinlich Tag für Tag viele Elektroautos zur gleichen Zeit ans Netz gehen werden. Der Regelfall wird sein, dass Arbeitnehmer ihr Auto nach Feierabend, also ab 16:00 Uhr, ans Stromnetz anschließen und über Nacht komplett laden. Das Resultat werden Lastspitzen in den Abendstunden sein. Ein Lösungsansatz könnte etwa sein, Privatkunden durch finanzielle Anreize dazu zu bewegen, das Aufladen ihres Elektroautos in die lastschwachen Nachtstunden zu verschieben.


Energieversorger sehen sich den Herausforderungen gewachsen

Durch intelligentes Lademanagement ließen sich die notwendigen Investitionen ins Netz laut Eon-Vorstand Thomas König erheblich verringern. Allein bei Eon reden wir hier bis 2045 von 2,5 Milliarden Euro. Dieser Wert basiert auf DAten des Energieberaters Conseentec, der für Eon berechnet hat, wie das unternehmenseigene Netz ausgebaut werden müsste, wenn in den nächsten 25 Jahren 6,5 Millionen Fahrzeuge im Eon-Netzgebiet einen Elektroantrieb bekämen.

Problematisch wird es dann werden, wenn etwa in einer Straße viele Autobesitzer ihre Autos laden willen. Mit intelligenten Schaltungen und Priorisierungen ließe sich das Problem mindern. So muss beispielsweise nicht jedes private E-Auto direkt nach Feierabend direkt wieder geladen werden – nicht selten stehen die Autos dann ja bis zum nächsten Tag. Ein möglicher Lösungsansatz wären also Ladesysteme, bei denen die Autobesitzer angeben, wann sie das Auto wieder benötigen und es intelligenten Systemen überlassen, das Laden zu managen.

Der Ausbau des Stromnetzes und die Vorbereitungen auf die Herausforderungen auf die Elektromobilität sind eine große Aufgabe, der sich die Energieversorger allerdings gewachsen sehen. Das Risiko eines Blackouts sehen sie zumindest nicht. Allerdings werden Investitionen nötig werden, um die Stabilität des Netzes zu gewährleisten.

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4 Kommentare

  1. giantpanda

    31. Mai 2019 at 08:31

    Man könnte sich denken, dass die Mehrheit alle Elektroautos zu Hause nach der Arbeit geladen werden. Für Reisende ird es etwählich sein.
    Dadurch sollte die Problematik der Elektizität-Lieferanten nicht so weltbewegend sein, sei es denn man gibt uns Gründe dafür.

  2. Uwe

    7. Juni 2019 at 13:06

    Gegenwärtig beruhen die größten Probleme der Netze auf temporärer und lokaler Überproduktion.

    Es gibt mehrere Forschungsprojekte, die das Ziel haben, diese Problematik mit der durch die E-Mobilität zu erwartenden lokalen und temporären Nachfragespitzen durch intelligente Steuerungssoftware zu bedienen.

  3. Uwe

    7. Juni 2019 at 13:44

    Momentan existieren in Deutschland rund 130.000 Stromspeichersysteme in Deutschland in privater oder gewerblicher (Kleinunternehmen) Nutzung. Dabei sind rund 1,6 Millionen PV-Anlagen (davon ca. 1,1 Millionen in privater Nutzung) installiert.

    Es existiert also alleine im privaten Bereich eine „stille Reserve“ von fast einer Million nicht genutzter Standorte für private Speicheranlagen. Die Preise für Speicheranlagen haben sich in den letzten 5 Jahren fast halbiert und die Amortisationszeit liegt bei 5-7 Jahren.

    Mit geeigneten Fördermassnahmen, die zielgerichtet auf die E-Mobilität formuliert werden, lässt sich ein Ausbau gestalten, der völlig unabhängig vom Stromnetz möglich ist.

    Da zwischen 90 und 95 % der Fahrten Entfernungen von unter 20 bis unter 100 km überbrücken, ist Reichweite schon aktuell kein Fakten basiertes Thema mehr.

    Alleine die Urlaubsreisezeit oder die berufliche Nutzung mit regelmäßigen Fahrten über mehr als 200 km weckt einen Bedarf an Schnellladessystemen. Das betrifft weniger als 10 % der Nutzung.

    Es wird also seit Jahren viel Geschrei um fast nix gemacht und dabei verhindert, dass Deutschland ein Automobil-Produktionsstandort mit Weltmarktbedeutung bleibt.

    In Norwegen wurden im ersten Quartal 2019 über 63 % aller Neuzulassungen von PKW mit elektrischen Antrieben gemacht.

    Bei uns sind es gerade 2,1 %.

    Ein großartiger Erfolg der Fake-News in unserer Verbrenner-Lobby abhängigen Medienwelt.

    “ „Energieintensive Unternehmen, die größtenteils von
    der EEG-Umlage befreit sind bzw. nur einen ermäßigten Satz von 0,05 ct/kWh zahlen,
    profitieren vom Merit Order Effekt am stärksten. Bei ihnen überkompensiert die preissenkende Wirkung durch den Merit Order Effekt die Kosten für die EEG-Umlage bei weitem.“ [IZES] Die stromintensive Industrie profitiert von der Energiewende, ohne sich
    nennenswert an ihren Kosten zu beteiligen. “

    Das ist ein Auszug aus dem Positionspapier des Fraunhofer Institutes mit dem Namen „PV-Fakten“ vom April 2019!!

  4. Uwe

    7. Juni 2019 at 13:52

    Es gibt selbst bei vollständiger Elektrifizierung keinerlei Bedarf an einem Ausbau der Stromnetze! Es genügt vollständig, die „Energieintensive Industrie“ für ihren exorbitanten Verbrauch zur Kasse zu bitten und damit deren Investition in Eigenversorgung (weg von der Netzabhängigkeit) zu erzwingen.

    Ein minimaler Erfolg dabei von nur 10 % generiert innerhalb eines Jahres eine weitere Reserve von Stromproduktion der Versorger für die E-Mobilität von rund 2%.

    Wesentlich ist dabei, dass die Netze zu den Industrieunternehmen die Einsparung der E-Mobilität vor Ort zur Verfügung stellen können: Auf den Mitarbeiter-Parkplätzen! Die gesamte Infrastruktur steht und kann dort noch durch überdachte (mit PV-Anlagen) ergänzt werden.

    PS: ALDI und LIDL handeln schon: Alle Filialen werden mit Kunden- und Mitarbeiter-Ladesäulen ausgestattet! Bis 2020!

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