Es war eine Geschichte, die so wohl nur im berühmten Silicon Valley stattfinden konnte: Eine junge Studentin entwickelt einen revolutionären Bluttest, bricht ihr Studium ab und wird anschließend zur jüngsten Selfmade-Milliardärin des Landes. Doch für die US-Börsenaufsicht SEC steht inzwischen fest, dass es sich bei der ganzen Geschichte um einen groß angelegten Betrug handelt. Ein Gerichtsverfahren konnte die einst gefeierte Gründerin Elizabeth Holmes nur durch einen Deal mit den Aufsehern umgehen. Demnach muss sie die Kontrolle über ihre Firma Theranos aufgeben, 500.000 Dollar Strafe zahlen und darf zehn Jahre lang nicht mehr im Management eines börsennotierten Unternehmens tätig sein. Für die Investoren, die insgesamt mehr als 750 Millionen Dollar in das Unternehmen steckten, bietet die Einigung zwischen Holmes und den Behörden nun zumindest die Chance zu einem Neuanfang bei Theranos.


By Photo by Max Morse for TechCrunch (TechCrunch Disrupt San Francisco 2014) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Die revolutionäre Testmaschine wurde so gut wie nie benutzt

Der von Holmes entwickelte Bluttest versprach ursprünglich eine echte Revolution zu sein: Ein einziger Tropfen Blut aus dem Finger sollte ausreichen, um eine Vielzahl an Krankheiten sicher diagnostizieren zu können. Entwickelt wurde dafür eine Maschine namens Edison. Obwohl der Bluttest nie durch einen Artikel in einem unabhängigen wissenschaftlichen Magazin überprüft werden konnte, waren zahlreiche Investoren von dem Produkt extrem begeistert. Auf dem Höhepunkt des Hypes investierten sie zu einer Bewertung von neun Milliarden Dollar. Doch ein Bericht des Wallstreet Journals sorgte für das Ende der Erfolgsstory. Darin berichteten ehemalige Mitarbeiter, dass Edison gar nicht richtig funktioniert. Stattdessen wurde bei Theranos der Tropfen Blut schlicht verdünnt und dann mit herkömmlichen Maschinen von Siemens untersucht.

Auch in den Labors des Startups kam es zu Problemen

Dieser Bericht hatte zahlreiche Untersuchungen zur Folge – und sorgte nun für den endgültigen Abgang der Firmenchefin. Bekannt wurde auch eine eher unrühmliche Tatsache: Ursprünglich hatte das Startup bei den Gesundheitsbehörden die Zulassung für 120 Tests mit Edison beantragt. Erteilt wurde diese aber nur für einen einzigen Herpes-Test – was aber natürlich deutlich zu wenig für eine milliardenschwere Bewertung ist. Im Zuge der Ermittlungen kam außerdem heraus, dass in den Labors des Startups teilweise unqualifiziertes Personal zum Einsatz kam und viele Qualitätsstandards nicht eingehalten wurden. Daraufhin verlor das Unternehmen viele Lizenzen und Aufträge. Holmes zeigte sich zunächst reumütig und versprach Besserung. Diese Aufgabe muss nun aber jemand anderes übernehmen.


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