Es ist ein kontroverses Projekt. Seit Monaten wird über die Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit des sogenannten EMDrive der NASA spekuliert. Der revolutionäre Raketenantrieb soll Vortrieb quasi aus dem Nichts erzeugen – ein Konzept, das auf den ersten Blick fundamentalen Gesetzen der Natur widerspricht. Nun führte die NASA angeblich erfolgsversprechende Tests mit einem zweiten Prototypen durch.


Und nun, Herr Newton?

Keine Reaktion ohne eine gleich große Gegenreaktion. Das ist – einfach formuliert – einer der zugegebenermaßen zahlreichen Geniestreiche des Sir Isaac Newton. Dieses Wechselwirkungsprinzip wurde von dem britischen Gelehrten im Jahre 1687 postuliert. Im Falle eines Raketenantriebs manifestiert sich dieses Prinzip für gewöhnlich so: Der Antrieb schleudert Masse von sich weg und erzeugt so den Vortrieb. Die Stützmasse – der Treibstoff – ist dabei der finanziell belastende Punkt – oder mit anderen Worten: Zeug ist nicht billig. Und auch nicht leicht, und Masse kann in der Raumfahrt bekanntlich zu einem hohen Kurs in Dollar umgerechnet werden.


Der EMDrive aus den Eagleworks Laboratories der NASA ist scheinbar in der Lage, Schub ohne den Einsatz von Treibstoff zu erzeugen und somit auf dem ersten Blick dem Wechselwirkungsprinzip widerspricht (auch bekannt als drittes Newtonsche Gesetz). Der sogenannte “Cannae-Antrieb” erzeugte im Juli laut einem Bericht der NASA zwischen 30 und 50 Mikronewton Schub, was 0,00003 bis 0,00005 Newton entspricht. In ersten Versuchen erzeugte der Antrieb also nur einen sehr niedrigen Schub. Zum Vergleich: Die Saturn-V-Rakete, die legendäre Rakete, die die Astronauten der Apollo-Missionen zum Mond brachte, entwickelte eine Schubkraft von 33.851.000 Newton. Von einem praxistauglichen Antrieb ist der “Cannae-Antrieb” also noch weit entfernt. Sollte es jemals so weit sein, dann wird der Antrieb eine Revolution für die Raumfahrt darstellen. Statt Treibstoff kommen Mikrowellen zum Einsatz, die dazu nicht verbraucht werden, sondern in ihrem Behälter verbleiben. Außerdem gibt es Stimmen, die behaupten, dass die Reisezeiten in der Raumfahrt mit Hilfe des EMDrives auf einen Bruchteil reduziert werden können.

Erfolgreicherer zweiter Prototyp

Nun gibt es Neuigkeiten zum EMDrive. Paul March, der an dem Projekt beteiligt ist, postet etwas über den Antrieb im NASA Spaceflight Forum. “I will tell you that we first built and installed a 2nd generation, closed face magnetic damper that reduced the stray magnetic fields in the vacuum chamber by at least an order of magnitude and any Lorentz force interactions it could produce. And yet the anomalous thrust signals remain…”, schrieb March in dem Forum. Er poste dies als Reaktion auf einen unveröffentlichten Artikel, in dem es hieß, der Vortrieb entstünde mit Hilfe der Lorentz-Kraft zwischen dem EMDrive und dem Magnetfeld der Erde. Eine Theorie, die laut March durch die aktuellen Tests widerlegt wird.

Die Eagleworks Laboratories sind momentan damit beschäftigt, alle möglichen Fehlerquellen in ihren Versuchen auszuschließen. Wenn die Tests abgeschlossen sind, wird der Aufbau von unabhängigen Stellen überprüft werden.

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