Was vor 10 Jahren noch ein Bild war, das man allenfalls aus Asien kannte, ist heute auch an Stränden in der EU bittere Realität: Plastikmüll, der die schönen Sandstrände verschandelt. Einwegprodukte aus Kunststoff machen in der Europäischen Union die Hälfte des Strandmülls aus. Das soll so nicht bleiben: Gestern stimmten die Abgeordneten des EU-Parlaments mit einer großen Mehrheit für das Verbot bzw. die Reduzierung von Einweg-Plastik-Produkten.


Verbote für zahlreiche Einwegprodukte

Plastikteller, -tüten, -besteck und Strohhalme verunstalten die Strände in der EU. Das ist nicht nur ein optisches Problem, sondern natürlich auch aus der Perspektive des Umweltschutzes extrem problematisch. Um das Meer zu schützen, sollen nun diese Kunststoff-Einweg-Produkte neben einigen anderen wie Fastfood-Boxen aus aufgeschäumten Kunststoff verboten werden. Der entsprechende Richtlinienentwurf wurde vom EU-Parlament am Mittwoch in Straßburg mit großer Mehrheit verabschiedet. Außerdem fordern die Parlamentarier von den Mitgliedsstaaten, dass der Verbrauch anderer Einweg-Produkte wie etwa Plastikbecher bis 2025 um 25 Prozent gesenkt wird.


Die Zustimmung des Parlaments bedeutet allerdings noch nicht, dass die Richtlinie wie im Entwurf vorgesehen umgesetzt wird. Erst muss ein entsprechender Kompromiss mit den EU-Mitgliedsstaaten gefunden werden. Jedoch zeigten sich diese bisher durchaus bereit, dem Entwurf zuzustimmen. Eine Einigung wird für das nächste Jahr angestrebt. Die neuen Regeln müssten dann bis 2021 umgesetzt werden. Der Richtlinienvorschlag zur Eindämmung des Plastikmülls kam im Mai von der EU-Kommission. Das Parlament griff diesen Vorschlag auf und verschärfte ihn zum Teil – so sieht der Entwurf verbindliche Reduktionsziele vor und die Liste verbotener Produkte wurde verlängert. Wie zu erwarten war, gab es im Vorfeld der Abstimmung vehemente Proteste von Lobbyisten.

Plastik verunreinigt die Meere

Mit der Richtlinie will die EU die Mengen an Plastik im Meer und an den Stränden verringern. Das EU-Parlament betonte, dass Plastik etwa drei Viertel des Mülls in den Weltmeeren ausmache und 50 Prozent des Mülls an den Stränden der EU seien weggeworfene Kunststoff-Einwegprodukte. Pro Jahr gesellen sich etwa 10 Millionen Tonnen Plastikmüll zu den 100 Millionen Tonnen, die bereits die Weltmeere verschmutzen. Das Problem ist also sehr real und wird dadurch verstärkt, dass es mehrere Hundert Jahre dauert, bis der Kunststoff zersetzt wird. Und während dieses Prozesses gelangen zudem noch Giftstoffe ins Meerwasser. Der Plastikmüll im Meer bedroht zahlreiche Meeresbewohner, die sich in illegal entsorgten Fischernetzen verheddern, an Plastiktüten ersticken, das Plastik mit Nahrung verwechseln oder mit Mikroplastik belastet werden. Letzteres kann auch für Menschen zum Problem werden. Erst kürzlich fanden Forscher Mikroplastik in menschlichem Stuhl.

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Zuletzt aktualisiert am 24.03.2019

Minderungsziele sollen den Plastikmüll reduzieren

Neben Verboten schlägt das EU-Parlament noch weitere Maßnahmen vor, um die Menge an Plastikmüll zu verringern. Während die Verbote nur Produkte treffen, für die die EU bereits Alternativen sieht (beispielsweise Strohhalme und Ballonhalter) geht es bei den vorgeschlagenen Minderungszielen vor allem Behälter für Lebensmittel wie etwa Plastikbecher, Sandwich-Boxen und Verpackungen für Gemüse oder Früchte. Wie die Minderungsziele erreicht werden, bleibt den Mitgliedsstaaten überlassen. Denkbar wäre etwa, Einweg-Plastikverpackungen kostenpflichtig zu machen. Außerdem möchte die EU, dass alle Mitgliedsstaaten bis 2025 mindestens 90 Prozent der Plastikgetränkeflaschen zur Wiederverwertung sammeln.

Des Weiteren sollen die Verbraucher verstärkt aufgeklärt werden – insbesondere durch Hinweise auf den Verpackungen. Die EU möchte zudem den Zigarettenabfall reduzieren. Deren Filter sind auch ein Faktor, der nicht unwesentlich zur Verunreinigung von Meeren und Stränden beiträgt. Die Abgeordneten würden die Müllmenge aus plastikhaltigen Zigarettenfiltern bis 2030 um 80 Prozent senken.

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