Die deutsche Windenergie gibt derzeit Anlass für widersprüchliche Nachrichten. Noch nie wurde in Deutschland mehr Windenergie produziert als aktuell. Gleichzeitig wurden an Land seit Jahren nicht mehr so wenig neue Windräder gebaut wie es momentan der Fall ist.


Windenergie Windräder
Foto: Wind power, Håkan Dahlström, Flickr, CC BY-SA 2.0

So viel Windenergie wie nie

Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE wurde dieses Jahr bisher fast die Hälfte des deutschen Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen – immerhin 46,8 Prozent. Dabei entfällt mit 27 Prozent der größte Anteil auf den Windstrom an Land und auf See. Daraufhin folgt – leider – die Braunkohle mit 19,5 Prozent. Ein bisheriger Rekord wurde am Ostermontag erreicht, der besonders wind- und sonnenreich war. An diesem Tag kamen über drei Viertel des deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen. Windenergie hatte auf die Gesamtproduktion bezogen dabei einen Anteil von 40 Prozent – ein neuer Rekord.

Aufgrund der Tatsache, dass sich Witterungsbedingungen langfristig kaum voraussagen lassen, können diese Werte nicht einfach auf das ganze Jahr hochgerechnet werden. Jedoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich ein gutes Jahr für die erneuerbaren Energien anbahnt.


Es werden kaum noch Windräder gebaut

Im vergangenen Jahr lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix bei insgesamt 40,6 Prozent der Nettostromproduktion. Der Anteil am Brottustromverbrauch lag bei 37,8 Prozent. Dabei sind Verluste im Netz sowie der Eigenverbrauch der Kraftwerke abgezogen.

Während die Windenergie auf ein neues Hoch zusegelt, ist der Ausbau dieser Energiegewinnungsart an Land nahezu zum Erliegen gekommen. In den ersten drei Monaten des Jahres 2019 wurden nur 41 neue Windräder gebaut, die insgesamt eine Leistung von 134 Megawatt haben. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem Rückgang von gut 90 Prozent. 9 von 16 Bundesländern bauten kein einziges neues Windrad. So langsam ging der Ausbau bisher seit Jahrzehnten nicht voran.

Die Ursache für diese Entwicklung sehen Experten in den Ausschreibungen und Zuschlägen des Jahres 2017. Damals gingen 80 Prozent aller Förderzusagen an Bürger-Windprojekte, die allerdings noch nicht genehmigt waren. Nun stellt sich heraus, dass viele dieser Bürger-Windparks wohl gar nicht gebaut werden. 2017 gab es Zuschläge für insgesamt 730 Anlagen. Von diesen sind heute 35 am Netz.

Auch eine erhöhte Klagebereitschaft baut den Ausbau der Windenergie an Land aus. Stichpunktartige Recherchen ergaben, dass etwa 750 Megawatt Leistung aktuell brachliegen, weil es anhängige Klagen gibt.

Viele Windräder müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden

Aktuell laufen die Ausschreibungen so schlecht wie lange nicht mehr. Zum 01. Mai endete die erste Ausschreibungsrunde, bei der insgesamt 650 Megawatt ausgeschrieben waren. Es gingen 35 Gebote mit insgesamt 270 Megawatt ein und erhielten einen Zuschlag.

Problematisch ist, dass diese Ausbauflaute mit einem absehbaren Verlust von Windenergie in den kommenden Jahren zusammentrifft. Ab 2020 fallen viele Windräder aus der Förderung heraus, was ihnen mit einem Schlag die Wirtschaftlichkeit nimmt. Bis 2023 stehen etwa 14.000 Megawatt auf der Kippe, was etwa einem Viertel der aktuell installierten Leistung entspricht.

Bis 2030 will die Bundesregierung 65 Prozent des deutschen Strommixes aus erneuerbaren Energien gewinnen. Dieses Ziel scheint aus heutiger Sicht kaum erreichbar. „ Der Ausbau der Windenergie an Land steckt in einer kritischen Situation. Wir sind weit entfernt vom Erreichen der Klimaziele„, so Stefan Kapferer vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Hier ist nun die Politik gefragt, die den Bau von Windrädern nicht nur erleichtern, sondern auch insgesamt wieder attraktiver machen sollte. Auch die Ausbauziele auf See sollten erhöht werden.

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