In kaum einem Land dieser Erde liegt wachsender Wohlstand und Armut so dicht beieinander wie in China. Doch der wirtschaftliche Erfolg des Landes hat dazu geführt, dass es den Menschen generell besser geht. Dies schlägt sich auch in den Essgewohnheiten nieder: Während früher Kohl und Reis viele Chinesen ernährten, wird nun der Bedarf an Fleisch zunehmend größer. Um den enormen Bedarf zu stillen will ein chinesisch-koreanisches Unternehmen die weltweit größte Tierklon-Fabrik errichten.


Foto:  New York strip Steak, Jon Gales, Flickr; CC BY-SA 2.0
Foto: New York strip Steak, Jon Gales, Flickr; CC BY-SA 2.0

Retortenrind auf dem Teller

Die chinesische Fleischproduktion hinkt hinterher. Was Schweinefleisch betrifft, so reicht die Produktion auch weiterhin aus, um den Bedarf zu stillen. Bei Rindfleisch sieht das anders aus. Die entstehenden Lücken müssen durch teure Importe wieder geschlossen werden. 2016 soll ein Klonzentrum in der Hafenstadt Tianjin den Bedarf an Import-Rindern verringern.

Zu Beginn soll die Fabrik 100.000 Rinder-Embryos produzieren. Damit wäre sie weltweit die größte Anlage dieser Art. Aber damit nicht genug. Wenn die Nachfrage stimmt, ist der Betreiber BoyaLife Group bereit, die Produktion auf eine Million Embryos zu erhöhen. Die BoyaLife Group rief die Fabrik in Zusammenarbeit mit der Forschungsstiftung Sooam aus Südkorea sowie dem Institut für Molekularmedizin der Peking-Universität und der Internationalen Akademie für Biomedizin in Tianjin zusammen. Gemeinsam brachten die Institutionen 29 Millionen Euro für die Realisierung des Projekts auf.


Die Betreiber sehen der Zukunft der Anlage positiv entgegen. Das Fleisch werde nachgefragt werden. Es handele sich sogar um das leckerste Fleisch, dass er je gegessen habe, so behauptet der Aufsichtsratschef der BoyaLife Group, Xu Xiaochun.

Neben Rindern soll in dem Klonzentrum, das in einem Wirtschafts- und Entwicklungspark entsteht, auch Spürhunde und Rennpferde geklont und genetisch optimiert werden.

Ethische Bedenken: Fehlanzeige

In China wird die Thematik des Klonens ethisch anders betrachtet als im westlichen Raum. Oder anders ausgedrückt: So wirklich mit den ethischen Implikationen des Vorhabens setzt sich im Reich der Mitte niemand auseinander. Dies ist kaum verwunderlich, schließlich vermeldeten chinesische Forscher Anfang des Jahres, dass sie erstmals die Embryos von Menschen genetisch manipuliert hätten. Schon damals fand die öffentliche Debatte lediglich im westlichen Raum statt. Nutztiere werden in China seit Anfang des Jahrtausends geklont, allerdings wird die Anlage in Tianjin die erste kommerzielle ihrer Art werden.

China hat einen Versorgungsengpass

China hat eine riesige Bevölkerung. Fast 1,4 Milliarden Einwohner teilen sich ein Land mit einer Fläche von 9.571.302 Quadratkilometer, was in einer Einwohnerdichte von 143 pro Quadratkilometer resultiert. Letzte Zahl erscheint nicht besonders groß, bedenkt man, dass die Bevölkerungsdichte hierzulande bei 227 Einwohnern pro Quadratkilometer liegt. In China stehen jedoch riesige, kaum bewohnte Gegenden im Kontrast zu Megastädten mit mehr als 10 Millionen Einwohnern.

Diese Menschenmassen wollen – und müssen – mit Nahrung versorgt werden und verlangen nun mehr und mehr auch nach Fleisch. Deshalb versucht China bereits seit Jahrzehnten, die Viehproduktion im eigenen Land zu erhöhen. Das Volumen chinesischer Importe von Sojabohnen kletterte im Zuge dieser Expansion zwischen 1995 und 2013 von 75 Millionen US-Dollar auf 38 Milliarden pro Jahr.

Doch China stellte sich selbst ein Bein. Steigende Löhne in der Industrie locken Viehzüchter vermehrt von der Weide weg in Fabriken, es fehlt an Personal. Zudem hinkt die Viehzucht in China technologisch betrachtet den internationalen Standards hinterher. Deshalb beteiligen sich chinesische Unternehmen vermehrt an Viehzucht im Ausland, da hier sowohl die Technologie als auch das Know-How für moderne Produktion vorhanden ist. Derart teures Importfleisch kann und will sich ein Großteil der Bevölkerung aber nicht leisten. Es besteht also eine große Versorgungslücke, speziell was Rindfleisch betrifft. Diese Lücke soll nun durch die Klonanlage verkleinert werden.

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