Ernährung ist für viele Menschen fast zu einer Art Glaubensfrage geworden. Intervallfasten, Mittelmeerkost oder Atkins: Unterschiedliche Ernährungsformen finden jeweils viele Anhänger. Bei einem ist die Wissenschaft sich recht einig: Wer abnehmen will, für den ist die Kalorienzufuhr der wichtigste Faktor. Für die Frage, welche Ernährungsform bzw. Diät langfristig am Gesündesten ist, gibt es widersprüchliche Antworten. Die Low-Carb-Ernährung, also eine relativ fettreiche Ernährung mit ausgesprochen wenig Kohlenhydratzufuhr, wird oft eine positive Wirkung auf die geistige und körperliche Fitness nachgesagt. Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass diese Ernährungsart mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist.


Hackfleisch
Hackfleisch roh und gebraten Foto/Michael Kammler

Höhere Sterblichkeit durch Low-Carb-Ernährung?

Die Hypothese, dass Low-Carb-Ernährung durchaus auch gesundheitliche Nachteile mit sich bringt, wird nun durch eine neue Studie gestützt. Forscher um Maciej Banach von der Medizinischen Universität Lodz haben Daten von 24.852 Probanden untersucht. Die Daten stammen aus dem US National Health and Nutrition Examination Survey, einem staatlichen Forschungsprogramms in den USA, in dem die Teilnehmer Angaben zu ihrer Ernährung machen. Für jeden Teilnehmer liegen außerdem über einen Zeitraum von im Schnitt 6,4 Jahren Gesundheitsdaten vor.

Die Analyse der Daten zeigte, dass Probanden mit niedriger Kohlenhydratzufuhr im Vergleich zu solchen mit höherer Zufuhr öfter Krank waren und früher starben. Die Gesamtsterblichkeit erhöhte sich dabei um 32 Prozent, während das Risiko, an einer Erkrankung des Herzens zu sterben, sogar um 51 Prozent höher lag. Ähnliches war für den Tod durch Durchblutungsstörungen des Gehirns sowie Krebs zu beobachten: Die Wahrscheinlichkeit erhöhte sich um 50 bzw. 35 Prozent.


Low-Carb ist für längerfristige Ernährung ungeeignet

Die Forscher interpretieren ihre Ergebnisse so, dass Low-Carb-Diäten durchaus mit einer gesundheitlichen Gefahr verbunden sind. „ Eine Ernährung mit wenig Kohlenhydraten kann kurzfristig sinnvoll sein um Gewicht zu verlieren, den Blutdruck zu senken und die Glukosekontrolle zu verbessern. Doch langfristig stehen solche Ernährungsgewohnheiten mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko in Zusammenhang. Eventuell spielt die niedrigere Einnahme von Ballaststoffen und Früchten, der erhöhte Konsum von tierischen Proteinen, Cholesterin und gesättigten Fetten bei diesen Diäten eine Rolle„, so Banach. Bei der Bewertung der Ergebnisse sollte aber beachtet werden, dass die Forscher lediglich Korrelationen aufzeigen konnten. Die Studie bringt keine Erkenntnisse bezüglich der kausalen Zusammenhänge.

Quelle: ESC Abstract Nr. 88255: Mazidi et al.: Low carbohydrate diets and all cause and cause specific mortality: a population based cohort study and pooling prospective studies

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