Dass Pestizide nicht nur brav auf dem Acker oder in den Obstbäumen bleiben, dürfte selbstverständlich sein. Und doch ist dieser Umstand für die EU kaum ein Thema. Ein systematisches Schadstoff-Monotoring fehlt, auch die Cocktailwirkung scheint niemanden zu interessieren. Ein Problem, das niemand sieht, ist keines? Weit gefehlt!


Diese Pestizide bleiben nicht im Weinstock / Von Karl Bauer – Eigenes Werk (Originaltext: eigenes Foto), CC BY 3.0 at, Link

Pestizidmessungen mit Passivsammlern im Vinschgau

Das Umweltinstitut München e.V hat sich nach Südtirol ins Vinschgau begeben und dort die Luft-Verbreitung von Pestiziden analysiert. Aus dieser Region stammt jeder zehnte Apfel, der in Europa über die Ladentheke geht, erzeugt durch eine Landwirtschaft, die aus jedem Baum so viel Ertrag herausholt wie irgend möglich. Die Organisation installierte acht sogenannte Passivsammler, die sieben Monate lang Luftschadstoffe einfingen. Alle drei Wochen ging der Inhalt ab ins Labor, um herauszufinden, ob darin Pestizide enthalten waren. Die Forscher suchten nach insgesamt 29 verschiedenen Schadstoffen, 20 davon konnten sie tatsächlich nachweisen.

Auch eine Bio-Apfelplantage war belastet

Das Ergebnis: Zwischen Mitte März und Ende August besteht im Vinschgau Schadstoffalarm, und das pausenlos. Pestizide waren sogar mitten in der Ortschaft Mals unterwegs, aber auch in 1600 Metern Höhe in einem relativ abgelegenen Seitental. Am letztgenannten Ort fand sich immerhin noch eine Mischung von sechs verschiedenen Chemikalien, unter anderem das Insektengift Imidacloprid, das schon in geringster Dosierung Bienen tötet. Jedes Mal fanden die Forscher nicht nur einen Schadstoff allein vor, sondern mehrere auf einmal. Durch den sogenannten Cocktaileffekt werden manche Stoffe aufgrund der entstehenden Wechselwirkungen noch gefährlicher. Eine Bio-Apfelplantage war bereits im Mai mit acht verschiedenen Pestiziden belastet, ohne dass der Betreiber davon wusste.


Das Umweltinstitut möchte an dieser Stelle keineswegs Schluss machen. Inzwischen hat es seine Passivsammler in einer nicht namentlich genannten Ackerbauregion in Deutschland aufgestellt. Demnächst soll es zu einer umfassenden Studie kommen, die sich mit der Pestizidbelastung an 200 repräsentativen deutschen Standorten befasst. Mit im Boot werden das „Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft“ und das „Umweltbüro TIEM“ sein. Ganz nach dem Motto: Wenn endlich konkrete Messwerte auf dem Tisch liegen, lässt sich dieses massive Problem nicht mehr leugnen! 

Quelle: <a href=umweltinstitut.org

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