Schon seit langem diskutiert die Politik darüber, wie mehr Menschen dazu bewegt werden können, vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen. Eine immer wieder vorgetragene Idee: Kostenlose Bus- und Bahnfahrten. Bisher wurde dieser Ansatz aber nur sehr begrenzt umgesetzt – etwa in Aschaffenburg, wo Samstags kostenfrei gefahren werden kann. Deutlich ambitionierter zeigt sich hingegen unser Nachbarland Luxemburg. Dort hat die gerade wiedergewählte Regierung beschlossen, ab dem kommenden Sommer auf Tickets im öffentlichen Personennahverkehr zu verzichten. Ausnahmen von der Regel soll es keine geben: Sie gilt für alle Busse und Bahnen des Nahverkehrs und für alle Nutzer. Weil Luxemburg lediglich rund 2.600 Quadratkilometer groß ist, kann man damit das gesamte Land vergleichsweise schnell und kostenlos bereisen.


Bild: Smiley.toerist [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

Die Hauptstadt des Landes wird von vielen Staus geplagt

Hintergrund der Maßnahme ist allerdings nicht die schlechte Luft in dem Erzherzogtum, sondern es soll das Stauproblem gelindert werden. Denn insgesamt hat Luxemburg lediglich 600.000 Einwohner, jeden Tag pendeln aber noch einmal 200.000 Arbeitnehmer aus den Nachbarstaaten in das Land. Noch krasser ist die Situation in der gleichnamigen Hauptstadt: Diese hat 110.000 Einwohner und nimmt täglich noch einmal 400.000 Berufspendler auf. Die Infrastruktur ist mit so vielen Autos regelmäßig überfordert. Alleine im Jahr 2016 standen Autofahrer in der Stadt Luxemburg daher im Schnitt 33 Stunden im Stau. Schon bisher sind die Preise für die öffentlichen Verkehrsmittel daher nicht besonders hoch: Ein zwei Stunden gültiges Ticket kostet lediglich zwei Euro. Offensichtlich reichte dies aber noch nicht, um genügend Menschen von einem Umstieg zu überzeugen.

Was passiert mit der ersten Klasse?

Eine Frage ist bisher aber noch ungeklärt: In den Zügen gibt es verschiedene Abteile für die erste und zweite Klasse. Unklar ist nun, wie diese Plätze vergeben werden sollen. Denkbar wäre etwa, dass lediglich Fahrten in der zweiten Klasse kostenlos sind. Dann aber müsste weiterhin Infrastruktur für den Verkauf und die Kontrolle der Tickets der ersten Klasse bereitgestellt werden. Die erhofften Einspareffekte in diesem Bereich würden damit ausbleiben. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis auch für diese Problematik eine Lösung gefunden wird. Auch deshalb ist das Experiment in Luxemburg so wichtig: Andere Städte und Länder können später von den dort gemachten Erfahrungen profitieren. Vorausgesetzt natürlich, das Experiment erweist sich tatsächlich als Erfolg.


Via: Futurism

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1 Kommentar

  1. Björn

    12. Dezember 2018 at 13:21

    Abschaffung der ersten Klasse!

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