Momentan gibt es eine bemannte Raumstation im All – die Internationale Raumstation ISS. China plant scheinbar eine eigene Raumstation, die sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe der Erde aufhalten würde. Die ISS selber feierte im letzten Jahr ihren 15. Geburtstag und soll noch bis 2024 in der Umlaufbahn der Erde verbleiben. Anschließend wird sie wahrscheinlich stillgelegt werden und dann das Schicksal der Raumstation MIR teilen, die Anfang des Jahrzehnts in der Atmosphäre der Erde verglühte. Die European Space Agency hat aber bereits einen Ersatz am Start: In einem Jahrzehnt möchte sie eine neue Raumstation etablieren. Das Besondere: Die neue Station wird sich nicht in direkter Nähe zur Erde befinden, sondern deutlich weiter draußen zwischen Erde und Mond aufgebaut werden.


Die neue ESA-Raumstation wäre als Nachfolgerin der ISS gedacht.
Die neue ESA-Raumstation wäre als Nachfolgerin der ISS gedacht, die 2024 stillgelegt werden soll.

Ersatz für die ISS

Die ESA-Raumstation ist von der ESA auch eindeutig als Ersatz für die ISS gedacht. ESAs Director of Human Spaceflight and Robotiv Exploration, David Parker, sagte über die Pläne der europäischen Raumfahrtbehörde, dass die Raumstation etwa Tausend Mal so weit von der Erde entfernt aufgebaut werden soll wie ISS, nämlich dort, wo sich die Gravitationsfelder der Erde und des Mondes ausgleichen. Dort könnte die Station als Außenposten der Menschheit dienen und ganz andere Experimente ermöglichen als die ISS dies konnte. Außerdem kann die neue Station als Sprungbrett für Missionen zu allen Punkten des Sonnensystems dienen. Solch eine weit entfernte Raumstation wäre auch gut geeignet, um von dort bemannte Missionen zum Mars zu starten.

Nicht unwesentlich wäre auch die Tatsache, dass eine derartige Station ganz neue Zugangsmöglichkeiten zum Mond bereitstellen würde. Sowohl die ESA, als auch die NASA oder die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos planen, wieder Menschen zum Mond zu schicken und diesen langfristig vielleicht auch dauerhaft zu besiedeln.


This is our deep space habitat, a new place to live and learn how to work in space, a kind of base camp for exploring the Solar System and reaching back down to the surface of the Moon.Astronauts can look down on a Moon untroubled by humans in more than 50 years. We want to go back there, we’ve barely scratched the surface„, so Parker über das Projekt.

Mit dem Faktor Tausend für den Unterschied in der Höhe der Umlaufbahn zwischen der ISS und dem neuen Raumstation liegt Parker allerdings nicht ganz richtig. Die ISS befindet sich in einer Umlaufbahn in einer Höhe von 400 km über der Erde. Die Entfernung zwischen Erde und Mond beträgt etwa 384.000 km. Der sogenannte innere Lagrange-Punkt, also einer der Gleichgewichtspunkte im sogenannten „eingeschränkten Dreikörperproblem“ zwischen der Erde, dem Mond und einem dritten Körper mit vernachlässigbarer Masse liegt etwa 326.000 km von der Erde entfernt zum Mond hin. Auf etwa dieser Höhe würde sich auch die neue Station befinden.

Mit oder ohne Beteiligung des Vereinigten Königreichs?

Interessant wäre in diesem Zusammenhang die Beteiligung des Vereinigten Königreichs. Britische Astronauten sind regelmäßig an ESA-Missionen beteiligt. Allerdings haben die britischen Wähler Ende letzte Woche den Austritt aus der EU beschlossen, den sogenannten Brexit. Zwar ist die ESA keine offizielle EU-Behörde, jedoch sind beide Institutionen dicht miteinander verwoben.

Der britische Astronaut David Peake, der erst kürzlich von einer sechsmonatigen Mission zurück kam, hat eine recht deutliche Meinung zu dem Thema: „We’re at a stage now where we’re ready for the next missions beyond the space station. Absolutely, without a shadow of a doubt. We’ve made enormous progress. It’s extremely important that the UK is involved in all of that. We need to give our industry a chance to develop what they need to support human spaceflight. If we’re not involved now then we are simply going to miss the boat.

via Sciencealert.com

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1 Kommentar

  1. Christoph

    28. Juni 2016 at 03:23

    Wäre schön, wenn das klappen würde. Aber ich befürchte, dass man das im Rahmen politischer Unruhen auf irgendwann mal verschieben wird.

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