Vor einigen Jahren entdeckten Experten des US-Auslandsgeheimdienstes NSA eine Sicherheitslücke in dem weit verbreiteten Betriebssystem Windows. Den Hersteller Microsoft informierten sie darüber allerdings nicht. Stattdessen entwickelten sie ein Tool namens EternalBlue, um genau diese Schwachstelle auszunutzen. Jahrelang handelte es sich um eine der mächtigsten Waffen des Auslandsgeheimdienstes. Doch dann wurden die staatlichen Hacker selbst gehackt. Eine Gruppe namens „The Shadow Brokers“ entwendete das Tool und stellte es öffentlich zur Verfügung. Einen Monat später informierte die NSA zwar Microsoft und ein Sicherheitsupdate wurde zur Verfügung gestellt. Doch bis heute sind viele Systeme nicht geupdatet worden. Dementsprechend kommt auch das Tool EternalBlue noch regelmäßig zum Einsatz.


Bei Hackern erfreut sich das staatliche Tool großer Beliebtheit

So nutzten nordkoreanische Hacker die Software, um im Jahr 2017 die Schadsoftware WannaCry weltweit zu verbreiten. Im selben Jahr wurde insbesondere die Ukraine durch den Virus NoPetya angegriffen. Auch hier kam das Tool EternalBlue zum Einsatz. Dies mögen die Führungspersönlichkeiten bei der NSA noch als ärgerlich, aber verschmerzbar eingestuft haben. Doch nun wendet sich die mächtige Cyberwaffe gewissermaßen gegen ihre Hersteller. So wurden unter anderem zahlreiche Computer der Stadtverwaltung von Baltimore mithilfe des Hacking-Tools lahmgelegt. Dies bringt gleich in doppelter Hinsicht eine gewisse Ironie mit sich. Zum einen müssen nun Steuergelder aufgewendet werden, um Computersysteme wieder zum laufen zu bringen, die mithilfe eines staatlich finanzierten Hacking-Tools angegriffen wurden.


Niemand will für das Problem verantwortlich sein

Zum anderen befindet sich in Baltimore auch das Hauptquartier der NSA. Die Beamten in Baltimore sind aber keineswegs die einzigen, die sich aktuell mit Hacker-Angriffen herumschlagen müssen. Vielmehr wurden in zahlreichen US-Städten veraltete Software-Systeme mithilfe von EternalBlue angegriffen. In den Vereinigten Staaten hat daher auch bereits die Diskussion darüber begonnen, wer für die ärgerliche Situation verantwortlich ist. Die NSA weist jedenfalls jede Schuld von sich. Der Geheimdienst verweist darauf, dass man Autohersteller auch nicht dafür verantwortlich machen könne, wenn ihre Fahrzeuge mit Sprengstoff beladen werden. Tom Burt von Microsoft möchte dieser Analogie allerdings nicht komplett folgen. Er sagt: „Wenn jemand so etwas klaut, dann versieht er es nicht erst noch mit einer Bombe. Das ist bereits die Bombe.“

Via: New York Times

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