Kommentar. Autohersteller geben bei ihren Fahrzeugen gern einen zu niedrigeren Spritverbrauch an, das ist kein Geheimnis. Die Messungen erfolgen in Testlaboren unter ganz anderen Bedingungen als im realen Fahrbetrieb. Ein Forscherteam spricht sogar von einer durchschnittlichen Diskrepanz von 42 Prozent zwischen Theorie und Praxis. Die EU-Kommission möchte nun deshalb den Verbrauch direkt an jedem einzelnen Fahrzeug messen. Eine lockende Möglichkeit, um später verbrauchorientierte Steuern einzuführen.


Von <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Thomas_doerfer" title="User:Thomas doerfer">Thomas doerfer</a> - <span class="int-own-work" lang="de">Eigenes Werk</span>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0">CC BY-SA 3.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1606269">Link</a>
Von Thomas doerferEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Schon ab 2020 neue Fahrzeugtypen nur noch mit Messgerät

Schon 2020 sollen die Verbrauchsmessgeräte an allen neu zugelassenen Fahrzeugtypen Pflicht sein, ohne sie geht dann nichts mehr. Ein Jahr später soll jeder Neuwagen ab Werk mit der Überwachsungstechnik vom Band rollen. Betrügerische Zahlenmanipulationen auf diese Weise unmöglich zu machen, scheint vor diesem Hintergrund begrüßenswert. Schon seit September 2018 müssen alle Neuwagen zur Verbrauchermittelung einen Real-Test durchlaufen; die alten, speziell präparierten Teststrecken sind längst aus dem Rennen. Das neue sogenannte FCM-Verfahren (Fuel Consumption Monitoring) kommt nun noch hinzu und könnte die offiziellen Zahlen durchaus noch weiter in die Höhe treiben und damit so manchen Automobilhersteller bloßstellen.

Damit lassen sich individuelle Verbrauchsprofile erstellen

Die einzelnen Verbrauchsprofile sollen zwar anonymisiert werden, dennoch melden nicht nur Datenschützer Bedenken an. Auch einige Autofahrer möchten sich an die Spritmessungen nicht gewöhnen, denn diese eröffnen die Möglichkeit, an die individuelle Fahrweise angepasste Steuern zu erheben. Das würde nicht nur Bleifuß-Freunde treffen, sondern auch alle, die ihren Wagen regelmäßig vollpacken müssen – zum Beispiel mit Familienmitgliedern oder Arbeitsmaterial. Jetzt, da die EU den Klimanotstand ausgerufen hat, ließe sich eine solche Steuer mit CO2-einsparenden Maßnahmen begründen.


Wie so oft in den Mühlen der Bürokratie steht ohnehin noch nicht genau fest, wie die gesammelten Daten demnächst kontrolliert und verwertet werden. Eventuell ließen sie sich per Funk oder über die Onboard-Schnittstelle übertragen, zum Beispiel während der TÜV-Prüfung. Auch Stromer sind von den Verbrauchsmessungen übrigens nicht ausgenommen. Theoretisch ließen sich die Steuerausfälle bei Elektrofahrzeugen also bald schon über eine verbrauchsabhängige Maut kompensieren. Aber das ist alles reine Spekulation.

Quelle: focus.de

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