Die Überlebensrate von Kindern, die am Ewing Sarkom, einem Knochenkrebs erkranken, steigt seit Jahren an. Fünf Jahre nach Behandlungsbeginn leben noch 60 bis 70 Prozent. Doch gesund sind sie nicht. Sie leiden an Langzeitfolgen wegen der Strahlen- und Chemotherapien, denen sie sich unterwerfen mussten. Jetzt ist es Münchner Forschern gelungen, die Genaktivität, die den Tumor auslöst, entscheidend zu beeinflussen. Wenn sich die Erfolge bei der Behandlung einer erkrankten Maus auf den Menschen übertragen lassen, könnte die Entstehung des Tumors möglicherweise verhindert werden.


Folgenschwerer Patzer des Körpers

Das Ewing Sarkom ist die zweithäufigste Knochenkrebsart bei Kindern und die dritthäufigste bei Erwachsenen. Häufig sind Becken- und Oberschenkelknochen betroffen. Aber auch Fett-, Muskel- oder Bindegewebe können Ursprungsort des Tumors sein. Ursache für die Entstehung ist die fehlerhafte Reparatur eines DNA-Doppelstrangs, also ein folgenschwerer Patzer der Selbstheilungskräfte des Körpers. Er produziert jetzt das so genannte Onkofusionsprotein, das zur Tumorbildung führt.


Den Wissenschaftlern am Klinikum rechts der Isar, das zur Technischen Universität München gehört, ist es jetzt gelungen, die Produktion des zerstörerischen Proteins zu stoppen, wenn auch nur in einer Maus. Dazu setzten sie, sie, wie sie berichten, ein Molekül namens JQ1 ein, das das Protein BRD4 blockiert. Ohne dieses Protein kann wiederum die Transkription von DNA zu RNA, also die Übertragung der Geninformation, für die Produktion des Onkofusionsproteins nicht stattfinden. Damit wird sogar der Zelltod vorhandener Tumorzellen ausgelöst. Auf diese Weise konnten die Forscher Wachstum und Ausbreitung des Tumors signifikant verringern.

Neue Therapien in Sicht

„Mit diesen Erkenntnissen aus der Epigenetik eröffnen sich Ansätze zur Entwicklung neuer Therapien“, sagt der Biochemiker Günther Richter, der die Forschergruppe leitet. Die sind auch bitter nötig, meint der Onkologe Professor Stefan Burdach von der Kinderklinik des Universitätskrankenhauses. In der Krebstherapie für Kinder und Jugendliche seien dringend neue spezifische Methoden nötig. Allerdings seien Gendefekte nicht die einzige Ursache für das Auftreten des Ewing Sarkoms. Gewissermaßen nebenbei fanden die Forscher noch Möglichkeiten für eine frühere Diagnose des Ewing Sarkoms: Zwei Proteine, die sich als Krebsmarker nutzen lassen.

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