Man(n) solle sich nicht auf den Orientierungssinn von Frauen verlassen. Das ist ein Gerücht, das sich hartnäckig hält und gerne als sexistisch kritisiert wird. Aber wie in vielen Gerüchten steckt auch in diesem ein wahrer Kern: Ein Experiment belegt, dass Männer sich häufig tatsächlich effizienter durch ihnen grundsätzlich bekannte Umgebungen bewegen und dabei ihr Ziel schneller erreichen. Sie nehmen häufiger sinnvolle Abkürzungen, während Frauen eher einmal eingeprägten Routen folgen und sonst dazu neigen, umher zu wandern.


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Männer fanden sich besser zurecht als Frauen

Dass Frauen sich in manchen Situationen anders verhalten als Männer, ist kein Geheimnis mehr. Die Geschlechter reagieren etwa nachweislich unterschiedlich auf negative Gefühle oder Stress. Außerdem sind Männer tendenziell narzistischer, Frauen dagegen großzügiger. Forscher rund um Alexander Boone von der University of California in Santa Barbara haben sich nun des am weitesten verbreiteten Vorurteils angenommen: Sie fanden belastbare Hinweise darauf, dass Männer Frauen beim räumlichen Vorstellungs- und Orientierungsvermögen voraus sind.


Das Team wollte die Orientierungskompetenz von Männern und Frauen auf die Probe stellen und lud dafür 68 Probanden zu einem Experiment ein. Die Versuchsteilnehmer sollten sich den Grundriss eines Labyrinths an einem PC-Bildschirm ansehen und anschließend von unterschiedlichen Startpunkten aus ihren Weg durch das virtuelle Gebilde finden, um ein vorgegebenes Ziel zu erreichen.

Eine weitere Gruppe, die aus 72 Probanden bestand, musste sich einem ähnlichen Test unterziehen. Allerdings waren beim zweiten Test einmal Orientierungspunkte wie Bäume vorhanden, bei einem weiteren Durchlauf fehlten diese jedoch.

Die Probanden mussten im Anschluss an die Tests einen Fragebogen ausfüllen und etwa berichten, welche Strategie sie gewählt hatten, um den Weg durch die virtuelle Umgebung zu finden.

Ausnahmen gibt es immer

Bei der Auswirkung der Tests zeigte sich, dass durchaus etwas Wahrheit in dem Gerücht steckt. „Die Experimente bestätigten, dass Männer tendenziell zielstrebiger navigieren und gerne Abkürzungen nehmen. Frauen neigen dagegen dazu, strikt einer einmal gelernten Route zu folgen. Außerdem wandern sie häufiger einfach umher. In beiden Experimenten waren die Männer signifikant effizienter als die Frauen„, erklärt Boone. Die Männer wählten im Normalfall einen direkteren Weg zum Ziel und waren deutlich schneller.

Allerdings lassen die Ergebnisse sich nicht verallgemeinern, sondern es gab durchaus auch Ausnahmen. Es gab sowohl Frauen, die sich perfekt zurechtfanden, als auch Männer, die hoffnungslos verloren waren. „Insgesamt legt unsere Studie jedoch nahe, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede in Sachen Navigationseffizienz groß sind„, so Boone jedoch. Mögliche Gründe hierfür sind, dass Frauen sich vorhandene Orientierungspunkte sowie die Grundrisse an sich schlecht merken können und über weniger räumliche Vorstellungskraft verfügen. Eine mögliche Fehlerquelle gibt es in dem Experiment jedoch auch: Die Orientierungsversuche fanden in einer virtuellen Umgebung statt. Tendenziell verbringen Männer mehr Zeit mit Computerspielen als Frauen.

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