Das Thema Arbeitszeit wird in Deutschland aktuell wieder ausgiebig diskutiert. So fordert die IG Metall in den laufenden Tarifverhandlungen flexible Möglichkeiten, die eigene Arbeitszeit zu reduzieren. Die Wirtschaftsweisen wiederum machten vor kurzem mit der Forderung Schlagzeilen, die strengen Regelungen des Arbeitszeitgesetzes zu lockern. Im Einzelfall müssten Mitarbeiter dann auch einmal deutlich mehr als die üblichen acht Stunden arbeiten.


In Schweden sind einige Einrichtungen in den vergangenen Jahren allerdings den umgekehrten Weg gegangen: Sie reduzierten die tägliche Arbeitszeit der Mitarbeiter auf sechs Stunden – ohne im Gegenzug das Gehalt zu verringern. Erste Auswertungen zeigen nun: Die 30-Stunden-Woche bringt für Arbeitgeber und Mitarbeiter einige Vorteile mit sich.

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Mehr Freizeit und bessere Arbeit versprechen sich viele von der 30-Stunden-Woche.

Für die Unternehmen ist die Umstellung mit erheblichen Kosten verbunden

So konnte dadurch die Zahl der Krankmeldungen und Arbeitsplatzwechsel reduziert werden. Dieser Effekt war besonders groß bei stressigen und fordernden Berufen – etwa in der Pflege und im Krankenhaus. Gleichzeitig erhöhte sich aber auch die Produktivität der Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit. Und noch wichtiger: Auch die Kundenzufriedenheit stieg. Viele der Unternehmen, die die neue Arbeitszeitregelung zunächst probeweise eingeführt haben, wollen diese daher nun dauerhaft übernehmen. Allerdings nicht alle: Es gibt auch zahlreiche Firmen, die wieder zum alten Modell zurückgekehrt sind. Als Grund dafür werden zumeist die hohen Kosten genannt. Denn es müssen zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und bezahlt werden, um weiterhin die gleichen Leistungen anbieten zu können.

In Frankreich haben sich die Hoffnungen nicht erfüllt

Befürworter der 30-Stunden-Woche sehen genau dies aber als Vorteil an. Denn auf diese Weise reduziert sich natürlich auch die Zahl der Menschen ohne Arbeit. Diese Hoffnung hatten allerdings auch die Sozialisten in Frankreich, als sie im Jahr 2000 dort die 35-Stunden-Woche einführten. Rein statistisch gesehen, erfüllten sich diese aber nicht: Frankreich hat heute deutlich mehr Arbeitslose als etwa die Bundesrepublik. Auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft ist seit der staatlich verordneten Arbeitszeitreduzierung gesunken. Die Erfahrungen aus Schweden zeigen allerdings, dass es auch anders laufen kann. Bisher handelt es sich aber nur um einzelne Fallbeispiele.


Via: n-tv

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