Auch in Deutschland betonen Wissenschaftler immer wieder: Der frühe Schulbeginn – zumeist gegen 08:00 Uhr Morgens – widerspricht dem natürlichen Schlafrhythmus von Jugendlichen. Bisher konnte sich die Politik aber noch nicht zu entscheidenden Veränderungen durchringen. Anders sieht dies in der US-Metropole Seattle aus. Dort wurde an allen 18 öffentlichen Highschools und den meisten Middleschools die Anfangszeit von 07:50 Uhr auf 08:45 Uhr verlegt. Zunächst brachte dies vor allem einige Umstellungen mit sich. So musste nicht nur die Fahrzeit der Schulbusse angepasst werden, sondern auch die nachmittäglichen Freizeitangebote wurden nach hinten verschoben. Nun aber haben Wissenschaftler nachgewiesen: Der spätere Schulbeginn führt tatsächlich dazu, dass die Schüler länger schlafen – und dementsprechend wacher und aufnahmefähiger sind.


Der Wecker klingelt in der Regel deutlich zu früh

Untersucht wurde dies mithilfe von Fitnessarmbändern, die die Jugendlichen vor und nach der Reform des Schulbeginns trugen. Das Ergebnis: Im Median wurden aus durchschnittlich sechs Stunden und fünfzig Minuten Schlaf pro Nacht immerhin sieben Stunden und 24 Minuten. Konkret konnten die Forscher beobachten, dass die Schülerinnen und Schüler in etwa zur gleichen Zeit ins Bett gingen wie vor der Umstellung. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Einschlafzeit von Jugendlichen biologisch bestimmt wird. Oder anders ausgedrückt: Sie schlafen ein, weil sie müde sind. Die Aufstehzeit wiederum ist sozial bedingt. Die Schüler wachen also nicht auf, weil sie ausgeschlafen haben, sondern weil der Wecker klingelt. Durch die spätere Anfangszeit in der Schule, kann dies nun etwas später erfolgen.


Die innere Uhr von Jugendlichen tickt anders

Die Ergebnisse zeigen aber auch: Wirklich optimal ist die Situation auch in Seattle noch nicht. Denn Forscher empfehlen für Jugendliche eigentlich zwischen acht und zehn Stunden Schlaf pro Nacht. Von diesem Wert sind die Schüler auch nach der besonderen Zeitumstellung noch deutlich entfernt. Zumindest handelt es sich aber um einen Schritt in die richtige Richtung. Die Ergebnisse zeigen zudem einmal mehr, dass die innere Uhr bei Jugendlichen deutlich anders tickt als bei Kindern oder Erwachsenen. Anstatt dagegen anzukämpfen, empfehlen viele Wissenschaftler bereits seit längerem, die Bedingungen schlicht daran anzupassen. Sprich: Später mit dem Unterricht zu beginnen und diesen dafür länger in den Nachmittag ziehen.

Via: NPR

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping
Tags

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.