Das bedingungslose Grundeinkommen sorgt immer wieder für erhitzte Debatten. Befürworter sehen darin eine interessante Möglichkeit, auf die Veränderungen der Digitalisierung zu reagieren. Kritiker hingegen warnen vor einen teuren Irrweg. Da kann es nicht schaden, einige empirische Daten in der Hand zu haben. Das dachte sich auch die finnische Regierung und hat vor einem Jahr mit einem Praxistest begonnen. Seitdem erhalten 2000 Arbeitslose monatlich 560 Euro. Der Unterschied zu den vorherigen Sozialleistungen: Mit dem Geld sind keine Pflichten verbunden, es muss also etwa kein Jobangebot angenommen werden. Außerdem ist der Betrag in jedem Fall sicher – auch wenn durch andere Tätigkeiten zusätzliche Einnahmen erzielt werden.


Bargeld
Foto: Michael Kammler

Die Zwischenergebnisse sind durchaus vielversprechend

Die finnische Regierung will sich zu den Ergebnissen des Experiments erst nach Ablauf des zuvor gesetzten Zeitrahmens von zwei Jahren äußern. Die finnische Presse hat allerdings bereits jetzt erste Beobachtungen zusammen getragen. Als sicher gelten etwa die folgenden Punkte:

1. Das Stresslevel der an dem Projekt beteiligten Personen ist stark gesunken. Dies dürfte vor allem zwei Gründe haben: Zum einen können sie fest mit der monatlichen Zahlung rechnen. Zum anderen müssen sie keine Angst mehr vor Druck von Seiten des Arbeitsamts haben. Dadurch verbessert sich auch die mentale Gesundheit der Probanden.


2. Neue und sinnvolle Tätigkeiten werden ermöglicht. So gibt es etwa den Fall, dass eine Frau die Sicherheit der monatlichen Überweisung nutzt, um die eigenen Eltern zu pflegen. Aber auch zahlreiche andere ehrenamtliche Tätigkeiten werden durch das bedingungslose Grundeinkommen befördert.

3. Ein Einstieg in den Arbeitsmarkt wird erleichtert. Weil ein gewisses Einkommen bereits garantiert ist, war es für die Teilnehmer leichter Teilzeitjobs, schlecht bezahlte Tätigkeiten oder Praktika anzunehmen. So begann Mika Rusuunen in der Tech-Branche als Praktikant und hat nun eine voll bezahlte Stelle.

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Zuletzt aktualisiert am 18.10.2018

Das Grundeinkommen und der Niedriglohnsektor

Ob der letzte Punkt allerdings wirklich erstrebenswert ist, darüber streiten die Experten. Denn nicht in allen Fällen dürfte die Entwicklung so positiv verlaufen wie bei Rusuunen. Vielmehr wird befürchtet, dass viele Menschen ihr bedingungsloses Grundeinkommen mit einem Mini-Job kombinieren könnten und so der Niedriglohnsektor künstlich aufgebläht wird. Das gut gemeinte Projekt würde dann dazu führen, dass schlecht bezahlte Jobs durch den Staat subventioniert werden. Ein Jahr ist aber noch zu kurz, um diese Frage abschließend beurteilen zu können. Weitere Daten gibt es zukünftig übrigens aus Schottland: Dort werden mehrere Städte ein ähnliches Experiment starten.

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