Wer momentan in Thailands Millionenmetropole Bangkok den Wasserhahn aufdreht, könnte eine eher unschöne Überraschung erleben: Wasser mit Salzgeschmack. Verantwortlich dafür ist ein Phänomen namens Salzwasserintrusion. Vereinfacht ausgedrückt dringt Meerwasser in die Frischwasser-Reserven ein. Möglich ist dies, weil Bangkoks Hauptfluss Chao Praya derzeit weniger als halb so viel Wasser führt wie sonst üblich. Der Strom hat damit nicht mehr genug Kraft, um das Meerwasser herauszuspülen. Verantwortlich dafür wiederum ist die schlimmste Dürre in Thailand seit vierzig Jahren. In 14 Provinzen im Norden, Nordosten und dem Zentrum des Landes wurde daher bereits der Notstand ausgerufen. Die Regierung reagiert darauf mit einer Doppelstrategie: So sollen auf der einen Seite neue Wasserquellen erschlossen werden. Andererseits muss aber auch der Wasserverbrauch reduziert werden.


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Der Grundwasser-Verbrauch kann langfristig zum Problem werden

So sollen unter anderem umgerechnet rund 100 Millionen Euro in neue Bohrlöcher und dazu gehörige Leitungssysteme investiert werden. Dies kann langfristig aber zu neuen Problemen führen. Denn sind die Grundwasser-Vorräte einmal aufgebraucht, lassen sie sich nicht so einfach wieder auffüllen. Experten schätzen, dass heute rund doppelt so viel Grundwasser aus der Erde geholt wird wie noch vor sechzig Jahren. Teilweise – etwa bei der indonesischen Hauptstadt Jakarta – hat dies bereits heute sichtbare Folgen. Oftmals dürften die Auswirkungen aber auch erst in der Zukunft spürbar werden: Rund ein Viertel der Weltbevölkerung lebt aktuell in Regionen, in denen langfristig das Wasser knapp werden könnte. Parallel zu den neuen Bohrungen soll zudem Wasser aus Stauseen im Westen Thailands in die betroffenen Regionen gebracht werden.

Die Dürre könnte noch mindestens ein halbes Jahr anhalten

Zusätzlich richtete Premierminister Prayut Chan-o-cha einen Appell an die Bevölkerung. Diese wurde aufgerufen, so wenig Leitungswasser wie nötig zu verbrauchen. Einen konkreten Vorschlag hatte der Regierungschef dabei auch: Jeder soll zukünftig die Zeit fürs Duschen und Zähneputzen um jeweils eine Minute verkürzen. Außerdem wurden einige Reis-Bauern in der Region gebeten, auf neue Anpflanzungen zu verzichten. Ob diese Maßnahmen ausreichen, dürfte nicht zuletzt von der Entwicklung der Niederschläge abhängen. Normalerweise erstreckt sich die vergleichsweise trockene Zeit bis in den April. Die thailändischen Behörden gehen aktuell aber davon aus, dass in diesem Jahr die ersten großen Regengüsse erst im Juni kommen könnten. Dies würde bedeuten, dass die jetzt eingeleiteten Maßnahmen mindestens ein halbes Jahr beibehalten werden müssten.


Es handelt sich um ein globales Problem

Für die generelle Einordnung der Problematik ist es zudem wichtig, zu wissen, dass es sich keineswegs um ein lokales Phänomen handelt. Vielmehr treten Dürren in den letzten Jahren global auf. So hatte Kalifornien jahrelang mit zu wenig Niederschlägen zu kämpfen. Im vergangenen Jahr waren dann Australien und das südliche Afrika betroffen. Südafrika stand sogar kurz vor dem Moment, in dem gar kein Wasser mehr aus der Leitung gekommen wäre. Einige Wissenschaftler denken dort schon darüber nach, Eisberge als Frischwasser-Quelle zu nutzen. Im benachbarten Simbabwe wiederum führten selbst die sonst gewaltigen Viktoriafälle kaum Wasser. Auch in Mitteleuropa fiel zu wenig Regen. Die Folge: Hunderttausende Hektar Wald trockneten alleine in Deutschland aus.

Via: Channel News Asia

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