Die ersten Schritte ins All machte die Menschheit 1957 mit dem russischen Satelliten Sputnik. Seitdem hat sich viel getan – es gibt inzwischen eine ständige Raumstation im All sowie ein Weltraumteleskop, dem wir viele wichtige Erkenntnisse über das Universum verdanken. Ganz zu schweigen natürlich von den bemannten Mondmissionen sowie den Reisen diverser Sonden in die Tiefen des Weltalls. Bisher waren die Bemühungen der Menschheit im All allerdings größtenteils wissenschaftlicher Natur. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, die wissenschaftlichen Fortschritte, die durch die Raumfahrt erreicht wurden, sind beachtlich. Aber in Zukunft wird es im All auch um wirtschaftliche Interessen gehen. Amazon-Chef Jeff Bezos ist nicht der einzige, der für die Zukunft große industrielle Anlagen im All prognostiziert. Aber wie könnte sowas aussehen? Wie ist es wirklich um das Potential von Fabriken im Weltall bestellt?


Wirtschaftliche Operationen im All rechnen sich häufig noch nicht

Eines vorweg: Das Weltall bietet Möglichkeiten für kommerzielle Operationen, die so auf der Erde teilweise nicht oder bald nicht mehr bestehen. Das hat auch die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA erkannt. Bereits in den 1990er Jahren versuchte die Behörde, Unternehmen mehr in die Raumfahrt zu involvieren. Dies führte zu Gedankenexperimenten zur kommerziellen Anwendung der Raumfahrt, die allerdings aufgrund des damit verbundenen finanziellen Aufwandes zum großen Teil nie über eben jenen Status hinwegkamen und reine Gedankenspiele blieben. Die Reise ins All lässt sich auf einen einfachen Wert herunterbrechen: Preis pro Kilogramm. Und eben dieser machte nahezu jedes kommerzielle Unterfangen im All ökonomisch nicht rentabel. Doch die Raumfahrt hat sich geändert. Private Firmen wie Elon Musks SpaceX oder oder auch Jeff Bezos Blue Origin sind im Aufschwung und bekommen teilweise bereits lukrative Verträge von der NASA, mit der diese sich selber Raum für ambitioniertere Projekte verschaffen möchte. Langsam aber sicher rückt die Perspektive auf kommerzielle Operationen im All nach vorne – langfristig könnten die großen industriellen Anlagen, die Bezos sich vorstellt, durchaus Realität werden lassen. Aber auch kurz- bis mittelfristig werden sich im All ganz neue Möglichkeiten auftun.

Wirtschaftliche Interessen im All in naher Zukunft

Bereits heute gibt es für Unternehmen die Möglichkeit, sich an der Internationalen Raumstation ISS zu beteiligen. Die ISS ist essentiell ein Labor in einer Umlaufbahn um die Erde. Und viele der dort durchgeführten Experimente haben direkte Relevanz für die Industrie.


Die europäische Raumfahrtagentur ESA bat kürzlich die Wirtschaft darum, neue Ideen für kommerzielle Beteiligungen an der ISS zu entwickeln. Das Ergebnis waren zumeist Vorschläge, die sich darum drehten, den Zugang zur ISS günstiger zu gestalten. Nur bei einigen vorgeschlagenen Projekten drehte es sich darum, neue industrielle Prozesse zu entwickeln.

Die Tage der ISS sind außerdem gezählt. In den nächsten Monaten werden sich die ESA und die NASA entscheiden, ob der Betrieb der ISS ins Jahr 2024 verlängert wird – spätestens 2030 wird die Raumstation dann ausgedient haben und wie auch die russische Station Mir in der Erdatmosphäre verglühen.

Die Nachfolge der ISS ist noch nicht wirklich diskutiert worden. Eine Idee ist aber das „Deep Space Habitat“, eine Art temporäre Kolonie, die in einer weitaus höheren Umlaufbahn als die ISS aufgebaut werden soll und sich teilweise mit Ressourcen von Asteroiden selber versorgen soll. In diesem Rahmen sollen auch Methoden entwickelt werden, um autark Wasser und Sauerstoff gewinnen zu können. Das Deep Space Habitat könnte als Sprungbrett für weitere Missionen dienen – sowohl technologisch als auch faktisch als eine Art Basis. Unter diesen Operationen würden sich dann auch sicherlich private Missionen mit wirtschaftlichen Interessen wiederfinden.

Ausblick: Industrie im Weltall, Bergbau und bewohnte Kolonien

Die fortschreitende Entwicklung könnte sich nachfolgend in immer mehr praktischen Anwendungen manifestieren, die auch von wirtschaftlichem Interesse wären. So könnten immer mehr Technologien entwickelt werden, um Weltraumstationen (oder auch Fabriken) im All autark zu betreiben – womit dann auch das Preisproblem deutlich kleiner würde. Asteroiden und andere Himmelskörper (unter Umständen auch der Mond) könnten hierfür Rohstoffe liefern. Generell ist Bergbau auf Asteroiden neben industrieller Fertigung im All ein wichtiges Thema. Von solchen großen Operationen, bei der im All Rohstoffe abgebaut und Produkte hergestellt werden, sind wir noch Jahrzehnte entfernt. Festzustellen bleibt aber, dass wir uns darauf zubewegen.

Fakt ist, dass das Weltall uns Möglichkeiten bietet, die heute noch weit weg erscheinen, aber für die Menschheit von direktem Nutzen sein können. So ist es durchaus denkbar, dass wir Materialien entdecken, die in Mikrogravitation hergestellt werden können und dann direkte Anwendungsmöglichkeiten auf der Erde haben. Außerdem möchte sich kein Mensch vorstellen, seinen Heimatplaneten einer fortschreitenden Industrialisierung zu opfern. Langfristig könnten wir Teile der Industrie ins All auslagern und so Raum auf der der Erde erhalten. Nicht zu vergessen ist auch die Tatsache, dass die Bevölkerung der Erde kontinuierlich zunimmt und eines Tages schlicht der Platz knapp werden wird. Kolonien im All oder auf anderen Planeten sind eine Zukunftsvision, für die die Erkenntnisse aus kommerziellen Raumfahrtprojekten von unschätzbarem Wert wären.

Es gibt also durchaus Perspektiven im Weltall, die über den reinen Forschungsdrang hinweggehen. Allerdings ist es ein langer, beschwerlicher Weg, bis wir wirklich fähig sind, technisch derartige Mammutprojekte zu tragen. Ganz zu schweigen davon, dass dringend ein rechtlicher Rahmen für wirtschaftliche Aktivitäten im All benötigt wird.

via IFL Science

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1 Kommentar

  1. David Kummer BGE

    19. August 2016 at 23:06

    Also rein technisch ist es möglich. Nur der Rechtliche Rahmen und das Geld(also der Gewinn) sind noch ein Hindernis das zu überwinden es gild.

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