Mit der Kryptowährung Libra hat Facebook sich eine Menge vorgenommen. Die erste stabile Kryptowährung der Welt soll es werden. Doch bereits eine Woche nach der Bekanntgabe regt sich von allen Seiten Gegenwind. Experten warnen, dass Libra vor allem Facebooks Interessen diene und sogar die Stabilität des Geldsystems gefährden könnte. Auch die Bundesbank warnt vor Facebooks Kryptowährung.


Mark Zuckerberg - Foto von AFP
Mark Zuckerberg – Foto von AFP

Libra ist nicht dezentral

Für Fans von Kryptowährungen war die Ankündigung von Libra durchaus interessant. Schließlich klingt der unkomplizierte Versand von Geldmitteln über WhatsApp oder den Facebook Messenger durchaus verlockend.

Allerdings kann man Libra nicht mit anderen Kryptowährungen vergleichen. Letztere zeichnen sich vor allem durch ihre Unabhängigkeit ab – es fehlt an einer zentralen Institution, die die Token ausgibt und kontrolliert. Das macht den Kurs dieser Kryptowährungen zwar extrem volatil, sorgt aber gleichzeitig von einer völligen Unabhängigkeit von staatlicher oder privater Kontrolle.


Libra ist da anders. Es wird eine zentrale Stelle geben, die die Währung verwaltet. Diese Libra Association (LA) bringt 100 Konzerne und Wohltätigkeitsorganisationen zusammen. Für Konzerne sind zehn Millionen Dollar fällig, wenn sie einen Platz in der Libra Association bekommen sollen. Bisher gibt es scheinbar neben Facebook 27 Mitglieder oder Unternehmen, die Interesse haben, darunter Visa, Paypal, Ebay und Spotify.

Die Libra Association wird als Ausgabestelle der Libra Token echtes Geld kontrollieren. Und zwar viel davon. Diese Gelder sollen dann investiert werden, um Währungsreserven aufzubauen.

Libra erzeugt Abhängigkeiten

Durch Facebook wird die Verbreitung von Libra aller Wahrscheinlichkeit nach enorm sein. Es gibt 2,7 Milliarden Facebooknutzer. Wenn davon 100 Millionen für jeweils 100 Euro Libra kaufen, kontrolliert die LA ein Vermögen von zehn Milliarden Euro. Wenn diese Mittel dann zu 3 Prozent angelegt werden, resultiert das in einem Jahresgewinn von 300 Millionen Euro. Und zeitgleich hätte Libra mit einem Schlag mehr Kunden als der komplette Bankenmarkt in Deutschland.

Und das ist ein Problem. Denn die LA könnte so schnell ein großes Vermögen verwalten. Daraus ergeben sich Probleme. Zum einen würde Libra so schnell systemrelevant, was Staaten verpflichten würde, die Währung notfalls mit Steuergeldern zu retten.

Außerdem würde die LA Staatsanleihen kaufen und so zum Gläubiger für Staaten werden. Je größer die Summen sind, um die es dabei geht, desto mehr Druck kann die LA auf den jeweiligen Staat ausüben. Speziell bei Schwellen- und Entwicklungsländern kann das zum Problem werden und zu Abhängigkeiten von Konzernen führen.

Facebook und Datenschutz

Auch in Sachen Anonymität wird es bei Libra schwierig. Zwar ist die Blockchain an und für sich ein anonymes Konstrukt, aber sobald ein Nutzer Geld über den Messenger oder über Whatsapp verschickt, besteht die Möglichkeit, dass Facebook dies mitbekommt. Zwar hat der Konzern versprochen, derartige Daten für sich zu behalten, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass Facebook solche Versprechen nicht immer ernst nimmt.

In der Politik gibt es daher bereits die Forderung, Libra zu regulieren. So forderte etwa Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire, dass verhindert werden müsse, dass Libra eine eigenständige Währung werde. In Italien herrscht die Angst vor einer „Schattenbank“, also eine de facto Zentralbank, die aber nicht an die sonst für Banken geltende Gesetze halten müsse.

Und auch der Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling sieht Handlungsbedarf: „ Wir brauchen eine globale Antwort auf die Pläne von Facebook. Beim Auto-TÜV werden die Reifen auch nicht in Indien, die Bremsen in Brüssel und die Abgase in Bolivien geprüft„, sagte er in einem Interview gegenüber der FAS.

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1 Kommentar

  1. Samuel

    26. Juni 2019 at 07:31

    falsche Aussage im Text: „300 Milliarden Euro“, richtig ist „300 MILLIONEN Euro“

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