Fahrverbote sind derzeit ein heißes Thema. In Hamburg sind bereits seit Ende Mai 2018 zwei Straßenabschnitte gesperrt, einer davon nur für Diesel-LKW. Aber auch in anderen Städten drohen Fahrverbote. Grundlage für diese sind die aktuellen Grenzwerte für Stickoxide (NOx) und Feinstaub. Um diese Werte wird wissenschaftlich jedoch gestritten. Und dabei geht es nicht nur darum, dass die Werte noch gesenkt werden sollen. In einem von 100 Lungenärzten unterzeichneten Positionspapier werden die Gesundheitsgefahren der beiden Stoffe angezweifelt und gefordert, die gesetzlich geltenden Grenzwerte dahingehend zu überprüfen, ob sie nicht zu niedrig seien.


By Rl91 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), via Wikimedia Commons

Die Datenlage könnte auch anders interpretiert werden

Dass die Grenzwerte für NOx und Feinstaub nicht einfach willkürlich festgesetzt werden, dürfte sich von selbst verstehen. Vielmehr basieren sie auf Daten der NHO und der EU sowie auf weitere Studien, unter anderem vom Umweltbundesamt. In dem Positionspapier schreiben die Ärzte, dass sie in ihrer praktischen Arbeit täglich Patienten wegen durch Zigarettenrauch bedingtem Lungenkrebs und COPD behandeln, jedoch nie solche, deren Beschwerden bei sorgfältiger Anamnese auf Feinstaub und NOx zurückzuführen sind. Das Umweltbundesamt nimmt jedoch 6.000 bis 13.000 Sterbefälle pro Jahr durch NOx und 60.000 – 80.000 durch Feinstaub an. Die Mediziner kommen daher zu dem Schluss, dass viele der entsprechenden Studien methodische Fehler enthalten und die vorliegenden Daten im Hinblick darauf interpretiert werden, dass Feinstaub und Stickoxide schädlich sein müssen. Andere Interpretationen, so die Ärzte, seien aber durchaus möglich.

Mediziner kritisieren methodische Fehler

Konkret kritisieren die Mediziner, dass in vielen Studien fälschlicherweise aus vorliegenden Korrelationen auf Kausalitäten geschlossen wird sowie dass die Bestimmung der Lebenserwartung sowie der Auswirkungen einzelner Faktoren auf diese eine hohe Anfälligkeit für Störfaktoren aufweist. Außerdem wird kritisiert, dass keine der Studien einen Schwellenwert für die Toxizität von NOx und Feinstaub aufweist und es daher plausibler sei, dass die Studien eine konstante Störgröße messen.


Des weiteren merken die Mediziner an, dass Raucher in zwei Monaten die Dosis Feinstaub einatmen, die ein Nichtraucher auch in Gebieten, die am Grenzwert kratzen, in 80 Jahren einatmen würde. Bei NOx sähe es ähnlich aus. Wenn die Gefahr durch Feinstaub und NOx so hoch wäre, so die Mediziner, müssten zahlreiche Raucher nach mehreren Monaten versterben. Da dies nicht der Fall ist, kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Gefahr durch die Feinstaub- und NOx-Belastung überschätzt werde.

Die 100 unterzeichnenden Ärzte sehen daher keine wissenschaftliche Begründung für die geltenden Grenzwerte und fordern, dass die Studien- und Datenlage von unabhängigen Forschern neu bewertet werden soll.

Dass die potentielle Schädlichkeit von NOx und Feinstaub in der Wissenschaft umstritten sind, zeigen die Reaktionen auf die Stellungnahme der Lungenärzte. So bezeichnete der Physiologe Holger Schulz die Argumentation, dass zahlreiche Raucher nach wenigen Monaten versterben müssten, gegenüber der FAZ als naiv.

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