Bisher kannten die Umsatzzahlen der gemeinnützigen Fairtrade-Organisation nur eine Richtung. Seit ihrer Gründung vor rund zwanzig Jahren wuchsen die Umsätze mit den zertifizierten Produkten jedes Jahr – zumeist sogar zweistellig. Diese Wachstumsstory scheint nun vorerst vorbei zu sein. Zumindest die Konsumenten in Großbritannien entschieden sich im vergangenen Jahr häufiger für preiswerte Alternativen. Der Umsatz des Fairtrade-Labels sank daher um 3,4 Prozent. Bei dieser Entwicklung spielten nicht zuletzt auch die deutschen Discounter Lidl und Aldi eine Rolle.


Fairtrade UK
Foto: Philip Halling CC BY-SA 2.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Aggressiver Wettbewerb wird zum Problem

Denn diese erobern in Großbritannien zunehmend Marktanteile von klassischen Supermärkten. Zwar haben auch Aldi und Lidl von Fairtrade lizensierte Produkte im Angebot, diese machen aber nur einen geringen Teil der Gesamtverkäufe aus. „Unsere größte Sorge ist, dass zunehmend aggressives Wettbewerbsverhalten im Lebensmitteleinzelhandel dafür sorgt, dass die Menge an Fairtrade-Produkten, die Farmer und Mitarbeiter verkaufen können, minimiert wird“, kommentierte Michael Gidney, Hauptgeschäftsführer von Fairtrade UK, die Entwicklung.

Denn auch die traditionellen Supermärkte mussten auf den Druck der Discounter reagieren und die Preise bestimmter Produkte senken. Dadurch allerdings erscheinen die Fairtrade-Produkte vergleichsweise teurer und werden seltener gekauft. Auch die zunehmend gesunde Ernährung vieler Kunden schadet den Verkäufen. Denn Zucker und Schokolade sind zwei wichtige Fairtrade-Produkte, die aber zunehmend – gerade von betuchteren Kunden – seltener eingekauft werden.


Zu viele Siegel verwirren den Kunden

Hinzu kommt, dass der Erfolg des Fairtrade-Siegels auch zahlreichere Nachahmer auf den Plan gerufen hat. Supermarktkunden und Produzenten haben daher inzwischen die Wahl zwischen einer Vielzahl an verschiedenen Siegeln und Qualitätszertifikaten. Für den Kunden ist dies nicht zwingend mit einem Mehrwert verbunden, weil nur noch Experten die Details der verschiedenen Auszeichnungen unterscheiden können. Fairtrade möchte daher nun daran arbeiten, weitere Produzenten davon zu überzeugen, sich unter dem bekannten Logo zertifizieren zu lassen.

Quelle: The Guardian

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