Die gewaltigen Eismassen der Antarktis schmelzen weitaus schneller ab als bisher angenommen. Forscher am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven haben einen Mechanismus entdeckt, der den Abbau kaskadenartig beschleunigt. Teile des Eises, das eine Fläche bedeckt, die den USA und Saudi-Arabien entspricht, sind nicht fest mit dem Untergrund verbunden. Dieses Schelfeis schiebt sich um bis zu hundert Kilometer in Südpolarmeer – es surft gewissermaßen auf dem Untergrund. Da es bis zu 1600 Meter dick ist schrammt es zeitweise über den Untergrund und wird von Erhebungen des Meeresbodens angebremst, bisher jedenfalls noch. Doch je wärmer es in der Antarktis wird, desto häufiger versagen diese Bremsmechanismen.


Bild: Stefan Hendricks / AWI

Hydrografisches Bollwerk wankt

Die Bremerhavener Forscher haben jetzt herausgefunden, dass der natürliche Kreislauf, der den Eisabbau verlangsamt, mit der Zeit nicht mehr funktioniert. Heute bildet sich im Winter so viel neues Meereis, dass es am Ende des Winters eine Fläche von bis zu 4,5 Millionen Quadratkilometer bedeckt. Darunter befindet sich Wasser mit einem höheren Salzanteil als üblich. Diese Barriere aus sehr salzigem und etwa minus zwei Grad Celsius kaltem Wasser schützt bislang das Schelfeis vor dem Einstrom 0,8 Grad Celsius warmer Wassermassen, welche die Meeresströmungen an der Kante des Kontinentalsockels entlang transportieren. AWI-Ozeanograph Hartmut Hellmer spricht von einem „hydrografischen Bollwerk“.

Das dürfte ins Wanken geraten. „Die ersten Anzeichen dieser Entwicklung sehen wir schon heute. Zum einen gefriert weniger Meereis in der Region. Zum anderen belegen ozeanografische Messungen an der oberen Kante des Kontinentalsockels, dass die warmen Wassermassen bereits jetzt pulsartig immer weiter Richtung Schelfeis vorstoßen“, so der Wissenschaftler. Im Amundsenmeer ist die fatale Spirale bereits zu sehen. 2013 nahmen die Eismassen hier um 334 Milliarden Tonnen ab. 1994 waren es lediglich 110 Milliarden Tonnen.


Inselstaaten und Küstenstädte in Gefahr

Die Folgen einer Dauerschmelze werden vor allem die Inselstaaten und Küstenstädte wie Miami oder Hamburg spüren. Berechnungen von Forschern des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung haben nämlich ergeben, dass im Falle eines unverminderten Klimawandels allein das Filchner-Ronne-Schelfeis und die dahinterliegenden Eisströme so viel Eis verlieren werden, dass der weltweite Meeresspiegel in nur 200 Jahren um bis zu 40 Zentimeter ansteigt.

 

via Helmholtz

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