Nach der Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 wurde in Deutschland der ohnehin beschlossene Atomausstieg noch einmal beschleunigt. In den meisten anderen Ländern fiel die Reaktion hingegen deutlich weniger drastisch aus. So gehen Experten nicht davon aus, dass der Anteil der Kernenergie an der weltweiten Stromproduktion zukünftig unter die aktuelle Marke von 10,5 Prozent fallen wird. Vielmehr ist sogar ein leichter Anstieg zu erwarten. Beschleunigt werden könnte diese Entwicklung nun durch eine Ankündigung der russischen Atombehörde Rosatom. Die Ingenieure dort wollen im nächsten Jahr sogenannte „fehlertolerante Brennstoffe“ auf den Markt bringen. Der etwas sperrige Name bedeutet schlicht: Im Fall einer Kernschmelze soll kein Wasserstoff mehr entstehen, sodass Explosionen ausgeschlossen werden können.


Das belgische Atomkraftwerk Tihange gilt als besonders unsicher. Foto: Michielverbeek [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Ein GAU wie in Fukushima soll sich nicht wiederholen

Um den Hintergrund der Neuentwicklung zu verstehen, sollte man sich den Ablauf der Katastrophe von Fukushima noch einmal vor Augen führen. Dort konnte nach einem Erdbeben mit anschließendem Tsunami die kühlende Kaltwasserzufuhr nicht aufrecht erhalten werden. Dadurch kam es zu einer Überhitzung, wodurch wiederum Wasserstoff entstand. Dies führte letztlich zu den fatalen Explosionen, durch die radioaktives Material freigesetzt wurde. Die Idee hinter dem „fehlertoleranten Brennstoff“ ist es nun, das Brennstoffmaterial und die Brennstabhülle so zu verändern, dass auch bei einer unterbrochenen Kühlung keine Explosionsgefahr entsteht. Was recht einfach klingt, ist in der Praxis aber gar nicht so einfach zu realisieren. Immerhin forscht nicht nur Rosatom in diese Richtung, sondern auch westliche Firmen wie Westinghouse, General Electric und Framatome.

Die Endlager-Problematik bleibt auch weiterhin bestehen

An diesem Punkt entzündet sich auch die Skepsis einiger Experten. Denn die russische Atombehörde hat erst vergleichsweise spät mit der Forschung an „fehlertoleranten Brennstäben“ begonnen. Dennoch wollen die Ingenieure dort nun deutlich schneller mit einem Produkt auf den Markt kommen als die westliche Konkurrenz. Diese geht aktuell davon aus, erst im Jahr 2025 alle notwendigen Sicherheitstests abgeschlossen zu haben. Es bleibt daher abzuwarten, ob Rosatom den ehrgeizigen Zeitplan tatsächlich wird einhalten können. Ein großes Problem der Kernenergie wird durch die Neuentwicklung allerdings ohnehin nicht gelöst: Auch die vermeintlich sicheren Brennstäbe müssen anschließend sicher gelagert werden. Eine Endlagerstätte existiert bisher aber noch in keinem Land der Welt. Auch deshalb drängen Umweltschützer auf einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Kernkraft.


Via: Handelsblatt

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