Der Flughafen in Saarbrücken wird zukünftig keine Fluglotsen mehr vor Ort im Einsatz haben. Stattdessen befindet sich im mehr als 500 Kilometer entfernten Leipzig ein Zentrum, von dem die sogenannte Remote-Tower-Control ausgeübt wird. Verschiedene Sensoren sorgen dafür, dass die Lotsen auch in Sachsen über alle für ihre Arbeit benötigten Informationen verfügen. Tests haben allerdings gezeigt, dass eine reine Datenflut nicht genug ist. Vielmehr müssen sich die Lotsen auch selbst ein Bild von der Situation vor Ort machen können – weshalb sie bisher ganz oben im Tower des Flughafens saßen. Im Fall des Saarbrückener Flughafens kommen nun hochauflösende Kameras zum Einsatz. Aus den Aufnahmen wird dann ein 3D-Bild gefertigt, das eine Rundumsicht und das Heranzoomen ermöglicht.


Für Air Berlin kommt die Umstellung zu spät, der Flughafen in Saarbrücken soll aber von Kosteneinsparungen profitieren. Foto: Kleinblittersdorfer [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], vom Wikimedia Commons

Das Personal kann flexibler eingesetzt werden

Die Deutsche Flugsicherung erhofft sich durch das Konzept Kosteneinsparungen. Denn bisher ist es so, dass auch an kleineren Flughäfen alle Positionen im Tower besetzt sein müssen. Weil dort aber weniger Starts und Landungen stattfinden als an Großflughäfen, sind dies vergleichsweise hohe Kosten. Mit dem neuen Konzept hingegen kann das Personal an einem Standort konzentriert und flexibler eingesetzt werden. Langfristig könnte dies kleinere Regionalflughäfen auf der Kostenseite entlasten. Ein nicht ganz unwichtiger Punkt. Denn aktuell erwirtschaften beinahe alle kleinen Flughäfen in Deutschland Verluste. Die Deutsche Flugsicherung will daher zukünftig weitere Airports für ihr Konzept des ferngesteuerten Flughafens gewinnen. Aktuell ist etwa für die Flughäfen in Dresden und Erfurt ebenfalls eine Umstellung geplant.

Für die Piloten bleibt der Ablauf gleich

Ganz neu ist der Ansatz allerdings nicht. Denn in Schweden wird der Flughafen in Ornskoldsvik bereits seit rund drei Jahren durch die Fluglotsen im 150 Kilometer entfernten Sundsvall mit betreut. Die dort gemachten Erfahrungen zeigen, dass der Ansatz problemlos funktioniert und die Sicherheit der Flugpassagiere nicht gefährdet. Aus Sicht der Piloten spielt es zudem keine Rolle, wo sich die Fluglotsen befinden: Ihre Landungsroutine ändert sich dadurch nicht. Auch die Größe der Flugzeuge ist nicht von Bedeutung. Die Remote-Tower-Control funktioniert bei kleinen Transportfliegern ebenso wie bei Jumbojets. Gut möglich also, dass Flughäfen zukünftig ganz ohne den charakteristischen Tower geplant und gebaut werden.


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