Luftschiffe haben nicht nur etwas zeitlos Elegantes an sich, sondern gerieten nach und nach auch in Verruf. Im Netz macht man sich mehr oder weniger lustig über die Luftgiganten und assoziiert die großen Errichtungs- und Wartungshallen mit Spaßbädern. Projekte, wie etwa das im Rahmen des staatlichen Programms „Nouvelle France Industrielle“ geförderten fliegenden Wals, zeigen allerdings das Zukunftspotential der Luftschiffe von morgen. Überall da, wo kein Seeweg hinführt und Straßen einfach nicht existieren, können Luftschiffe als Güter-Transporter fungieren. Der unter dem Codenamen LCA60T gebaute „fliegende Wal“ soll bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h bis zu 60 Tonnen transportieren können. Als Fracht dienen dabei nicht nur komplette Häuser, sondern auch besonders sperrige Güter. Auch ganze Windgeneratoren sollen in Zukunft auf Berge geflogen werden. Das Einsatzspektrum ist vielfältiger Natur. Um identische Lasten transportieren zu können, benötigen Transporthubschrauber einfach mal 90 Prozent mehr Treibstoff.


haus-transport-luftschiff
Luftschiffe können 60 Tonnen und mehr transportieren. Dabei benötigen diese nur 10 Prozent des Treibstoffes, den Transporthubschrauber bei der selben Lastenbewegung verbrauchen würden. (Bild: Skeleton Technologies)

Bis zu 60 Tonnen Transportgewicht

In den USA und auch in Großbritannien erleben Luftschiffe bereits eine kleine Renaissance. Wir haben zuletzt von dem Unternehmen Lockheed Martin berichtet, das an einem Hybrid-Luftschiff arbeitet. Nun investiert auch Frankreich Geld und Mühen in die Zukunft der Transportmittel. Das Unternehmen Flying Whales entwickelt den fliegenden Wal „LCA60T“ und erhält dabei Unterstützung vom Nouvelle France Industrielle, einem staatlich geförderten Projekt, welches unter anderem auch die Entwicklung von Transportmitteln der Zukunft begleitet. Zudem ist der chinesische Flugzeugbauer Avic mit an Bord. Herkömmliche Luftschiffe können zwischen 10 und 20 Tonnen befördern. Der Frachtraum des fliegenden Wals ist allerdings gigantischer. Mit einer Länge von 75 Metern und einer Breite und Höhe von acht Metern, bekommt man hier schon einiges unter. Besonders sperrige Güter werden schwebend transportiert. Angehoben wird die Fracht über elektrisch betriebene Winden. Den zusätzlich benötigten Strom für die Winden liefern Superkondensatoren.

Für die Fortbewegung in der Luft sind Elektromotoren zuständig. Die dafür benötigte Energie liefern bisher noch Dieselgeneratoren, die aufgrund der optimalen und kontinuierlichen Drehzahlen recht wenig Sprit verbrauchen. Das wirkt sich ebenfalls positiv auf die Energiebilanz aus. Im Vergleich mit Transporthubschraubern oder auch großen Containerschiffen, verbrauchen Luftschiffe allgemein recht wenig Treibstoff.


fliegender-wal-2

150 Luftschiffe sollen für Frankreich und China gebaut werden

Sébastian Bougon, CEO von Flying Whales, ist sich ziemlich sicher, dass Luftschiffe durchaus konkurrenzfähig sind. So kann der weltweit größte Transporthubschrauber, der in Russland gebaut wird, knapp 18 Tonnen schleppen. Also knapp ein Drittel von dem, was der fliegende Wal einmal transportieren soll. Die Betriebskosten des Hubschraubers belaufen sich zudem pro Trag auf eine Million Euro. Eine stolze Summe, wenn man die 50.000 Euro Betriebskosten pro Tag für das Luftschiff gegenrechnet.

Den aktuellen Plänen zufolge sollen zunächst 150 der Megaluftschiffe in Frankreich und China gebaut werden. Mit der Fertigstellung von zwei Luftschiffen wird mit 2020 gerechnet. 2021 sollen fünf Luftschiffe folgen und danach die Jahresproduktion auf 24 hochgeschraubt werden. Neben dem Transport von schweren Flugzeugteilen, Windturbinen oder Holz und anderen Frachten, können auch Hilfsgüter in Regionen geflogen werden, wo Nahrungsmittelknappheit vorherrscht und keine Straßen für Lastwagen existent sind. Der erste Start des fliegendes Wals ist für 2019 geplant.

Airlander 10 zeigt sich

Beim Thema Luftschiff und Zukunftsaussichten machen wir noch einen kurzen Schwenk zum Airlander. Es handelt sich hierbei um eine Mischung aus Flugzeug, Luftschiff und Hubschrauber. Einst für den Militäreinsatz gedacht und auch erprobt, soll das weltweit größte zivile Luftschiff in Zukunft ebenfalls große Mengen an Fracht in abgelegene, schwer zugängliche Orte transportieren. Mit 91 Metern ist der Airlander 10 das aktuell längste Flugzeug der Welt. Neben diesem sieht auch der A380 noch recht mickrig aus. In einem aktuellen Youtube-Clip wird das Verlassen des Hangers im britischen Cardington gezeigt. In Kürze soll das Luftschiff erneut zu Testzwecken abheben. Im Februar fand der erste Testflug statt.

Zunächst soll der Airlander 10 in Kanada eingesetzt werden und Bergbauprojekte und verstreute Siedlungen, die im Winter kaum zugänglich sind, mit Gütern versorgen. Für die Zukunft prognostizieren die Betreiber, dass die Luftschiffe weltweit vermehrt die Rolle von Frachtschiffen einnehmen können. Die Ergänzung um: „zumindest überall da, wo es keine Ozean gibt“, sollte der Vollständigkeit halber noch getätigt werden. Afrika und Zentralasien wäre nahezu prädestiniert.

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.