Manager von Flughäfen und Airlines sehen sich aktuell einer eher kritischen Öffentlichkeit gegenüber. In Deutschland wurde sogar das Wort „Flugscham“ geprägt, weil sich immer mehr potentielle Kunden Sorgen um die Klimabilanz des Fliegens machen. Teilweise wirkt die Aufregung um dieses Thema aber auch etwas übertrieben. So sind Inlandsflüge nur für rund 0,3 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Die noch immer laufenden Kohlekraftwerke hingegen verursachen ein Vielfaches davon. Raoul Hille, der seit dem Jahr 2004 den Flughafen in Hannover leitet, geht zudem davon aus, dass sich das Thema mittelfristig von alleine erledigen könnte. Seiner Prognose zufolge könnten synthetische Kraftstoffe schon in rund zwanzig Jahren dafür sorgen, dass Flugzeuge gar keine CO2-Emissionen mehr verursachen.


Bild: Japan Airlines Boeing 777-200 JA008D (1), BriYYZ, Flickr, CC BY-SA 2.0

Windstrom aus Norddeutschland könnte eine wichtige Rolle spielen

Dahinter steckt die sogenannte Power-to-Liquid-Technologie. Dabei wird aus CO2 und Wasser synthetisches Kerosin gewonnen. Sofern die dafür benötigte Energie aus regenerativen Quellen stammt, können Flugzeuge damit klimaneutral angetrieben werden. Bisher funktioniert der Ansatz allerdings nur im Labor. Der Flughafenchef spricht sich daher für einen industriellen Großversuch in Niedersachsen aus. Denn heute müssen die dort stehenden Windräder immer mal wieder abgeschaltet werden, weil sich innerhalb des Stromnetzes kein Abnehmer findet. Die Betreiber erhalten aber dennoch eine Vergütung. Letztlich zahlt der Kunde also für nie wirklich erzeugten Strom. Stattdessen könnte der Windstrom genutzt werden, um synthetische Kraftstoffe herzustellen – so die Idee des Luftfahrtmanagers. Für die Umsetzung veranschlagt er rund zehn Jahre.

Auch die Automobilindustrie könnte profitieren

Eine Idee für die Finanzierung hat er auch bereits: Die Einnahmen aus der Luftverkehrsabgabe – immerhin rund eine Milliarde Euro pro Jahr – sollten zweckgebunden für Forschung in diesem Bereich eingesetzt werden. Davon profitieren könnte auch die Automobilindustrie. Denn theoretisch lassen sich auf diese Weise auch saubere Kraftstoffe für das Auto herstellen. Gleichzeitig warnt der Manager vor zu vielen neuen Belastungen für die Luftfahrt. So ergäbe eine Kerosinsteuer nur Sinn, wenn sie in möglichst vielen Ländern gleichzeitig eingeführt werden könnte. Andernfalls würden die Flugzeuge schlicht im Ausland getankt und so noch mehr CO2-Emissionen verursachen als bisher. Auch eine CO2-Bepreisung hält Hille nur dann für sinnvoll, wenn die eingenommenen Gelder auch in den Klimaschutz investiert werden.


Via: FAZ

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