US-Forscher sind auf dem besten Weg ein neues und hochwirksames Antibiotikum aus dem Boden zu züchten. Das neuartige Antibiotikum konnte aus einer ebenso neuen Kultivierungsmethode gewonnen werden. Maßgeblich beteiligt an dem Erfolg sind bis vor Kurzem noch völlig unbekannt gewesene Bodenbakterien. Der neu gewonnene Wirkstoff erweist sich als sehr Effizient im Kampf gegen verschiedene Keime. So konnten unter anderem gefährliche Tuberkulose- und MRSA-Erreger erfolgreich behandelt werden.


Bakterien im Urin
Antibiotika resistente Bakterien Bild: Mkaercher CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Wenig anfällig für Resistenzen

Aufgrund der übermäßigen und teilweise auch zu schnellen Einnahme von Antibiotika entwickeln viele Keime vermehrt eine Multiresistenz was zur Folge hat, dass diese nicht mehr erfolgreich behandelt werden können. Forscher sind daher seit geraumer Zeit schon auf der Suche nach Antibiotika-Alternativen oder neuen Wirkstoffen um resistente Keime wieder bekämpfen zu können. Die US-Forscher haben die Ergebnisse der aktuellen Antibiotika-Studie im Fachblatt „Nature“ veröffentlicht. Dabei betonen die Wissenschaftler, dass das aus Bodenbakterien gewonnene Antibiotikum auch im Hinblick auf eine Resistenzbildung wenig anfällig sei. Die Forscher vom NovoBiotic Pharmaceuticals in Cambridge erklären in dem Fachbeitrag, dass Antibiotika-Resistenzen schneller entstehen, als neue Wirkstoffe eingeführt werden können. Für viele Pharma-Unternehmen lohnt es sich finanziell daher wenig stets neue Wirkstoffe und Antibiotika entwickeln zu lassen. Vielmehr wird eine Reduzierung der Einnahme empfohlen um das Voranschreiten der Keim-Resistenzen zumindest zu bremsen. Eine langwierige Lösung stellt dieses Verfahren jedoch nicht dar. Zuletzt stellten Wissenschaftler fest, dass Silber die Wirksamkeit von Antibiotika steigert. Allerdings stellt auch diese Erkenntnis keine finale Lösung dar.

Teixobactin lässt Bakterien-Zellen platzen

Losee Ling und seine Kollegen mussten für die aktuellen Forschungen einen speziellen mehrkammerigen Chip entwickeln, der wiederum als Träger zur Zucht der neuen Antibiotika-Bakterienzellen dient. Sind aus den Zellen Kolonien gewachsen, können diese auf ihre antibiotische Wirkung untersucht werden. Den Forschern gelang es eine isolierte Verbindung, welche die Bezeichnung „Teixobactin“ erhielt, aus dem Bakterien-Extrakt zu gewinnen. Diese erwies sich als hochwirksam im Einsatz gegen verschiedene Bakterien. So konnten mit MRSA infizierte Mäuse mit einer geringen Dosis des neuen Wirkstoffs bereits erfolgreich behandelt und vor dem sichern Tod bewahrt werden. Zudem stellten die Forscher auch fest, dass das neue Teixobactin keine giftige Wirkung auf Säugetierzellen entfaltet. Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass das im Wirkstoff enthaltenen Teixobactin-Therapeutikum die Lipid-Moleküle der Bakterien angreift und dabei die Zellwände zerstört. Als Resultat platzen die Zellen auf und der Zelltod stellt sich ein. Es fällt Bakterien somit deutlich schwerer Resistenzen zu bilden, da der neue Wirkstoff es nicht lediglich auf einzelne Proteine absieht.


Das Antibiotikum „Vancomycin“ ist vergleichbar mit dem neuen Teixobactin-Wirkstoff. Es dauerte hier 30 Jahre, bis Bakterien Resistenzen entwickeln konnten. „Beim noch besser geschützten Teixobactin, wird es wahrscheinlich noch länger dauern, bis Resistenzen auftauchen“, so die Forscher rund um Ling. Die Forscher wollen weitere Untersuchungen durchführen und sind fest davon überzeugt, dass weitere antimikrobielle Wirkstoffe in der bakterienreichen Umgebung des Bodens ausfindig gemacht werden können. Im Laufe der Zeit haben verschiedene Mikroben wirksame Waffen gegen andere Mitstreiter entwickelt. Die Forschung profitiert von diesem Naturschauspiel, was sehr zu begrüßen ist.

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