Die Forscher Miriam Pfäffle und Trevor Petney arbeiten zusammen mit Kollegen vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) an einem zuverlässigen System, welches in Zukunft vor den Blutsaugern warnen soll. Zunächst wollen die Parasitologen einen Atlas für den Raum Baden-Württemberg über die verschiedenen in Deutschland vorkommenden Zeckenarten erstellen.


Zecken
Foto: Matthias Apsel CCO 1.0

Zecken lokalisieren und stark befallene Gegenden vermeiden

Baden-Würtemberg gilt als eines der Hauptverbreitungsgebiete von Zecken hierzulande. Der neu erstellte Atlas soll dabei aufzeigen, wo die Zecken genau leben und welche Krankheitserreger konkret in den Spinnentieren schlummern. Zudem soll auch in Zukunft über etwaige Veränderungen der Erreger informiert werden. „ZUP“ (Zecken, Umwelt, Pathogene) nennen die Forscher das Projekt um Baden-Württemberg. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse, fungieren dann für konkrete Impfempfehlungen und für Zeckenwarnungen.

Mit hellen Baumwolltüchern streichen die Forscher über den Boden von Wäldern und auch Wiesen mit Grashälmen von bis zu 1,50 Meter länge. Insgesamt werden hierbei 100 Quadratmeter „abgelesen“. Zecken, die sich auf dem Boden oder an den Gräsern befinden, bleiben an dem Tuch hängen und werden auch schnell sichtbar. Aus den Stichproben können die Forscher dann ermitteln, wie es sich um den aktuellen Zeckenbestand verhält und daraufhin entsprechende Warnungen aussprechen. Zudem werden die Spinnentiere nach Krankheitserregern untersucht.


Zecken übertragen Borreliose-Bakterien

Bei den aktuellen schwülen Frühjahrsklima und auch im Sommer fühlen sich die Zecken besonders wohl und tauchen daher vermehrt auf. Vorrangig gehören Säugetiere, wie Mäuse, Wildschweine oder Rehe zu ihrem Beuteschema. Menschen, die fernab vom Waldweg in das Gebüsch abtauchen oder auch Wiesen mit höherem Grasstand passieren, sind jedoch ebenfalls ziemlich lukrativ für einen gezielten Absprung oder besser gesagt um mitgenommen zu werden. Auf den Menschen übergesprungen, suchen sich die kleinen Tiere ein sicheres Versteck, wo es bestenfalls auch noch warm ist und beginnen mit ihren Kieferklauen eine kleine Wunde in die Haut zu knabbern um diese mit einem Betäubungsmittel zu behandeln. Der Wirt bekommt somit nicht viel von der „Attacke“ des Parasiten mit. Neben dem Betäubungsmittel, injizieren die kleinen Tiere auch einen Gerinnungshemmer. Somit ist stets für frisches Blut gesorgt. Blut gehört zum einzigen Nahrungsmittel der Zecken. Dieses wird über den Stechrüssel gesaugt. Während des Blutsaugens übertragen Zecken häufig Krankheiten, wie Lyme-Borreliose, eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), bakterielle Infektionen, oder eine von Viren ausgelöste Hirnhautentzündung.

Allein in Deutschland ziehen sich pro Jahr etwa 100.000 Menschen eine von Zeckenstichen herbeigeführte Borreliose-Infektion zu. Diese kann in den meisten Fällen nur mit Borreliose-Infektion behandelt werden. Aktuellen Zahlen zufolge übertragen in etwa 25 Prozent der Zeckentiere Borreliose-Bakterien. 0,1 bis zwei Prozent der Spinnentiere übertragen FSME. Vor FSME kann eine Impfung schützen.

In Zukunft sollen die Bürger über die Internetseite oder per Smartphone App den Umgang mit Zecken besser vermittelt bekommen und sich problemlos und schneller informieren können. Über die Anwendung kann man sich dann auch informieren, ob das favorisierte Waldstück oder die Wiese für die nächste Wanderung als „zeckensicher“ gilt oder ob man besondere Vorsicht walten lassen muss.

Verhalten nach einem Zeckenstich

Wird eine Zecke nach einem längeren Spaziergang am Körper entdeckt, sollte diese behutsam mit einer spitzen Pinzette entfernt werden. Ganz wichtig ist dabei darauf zu achten, dass man den Körper der Zecke nicht zerquetscht. Schließlich würde dabei das Risiko einer Infektion gesteigert. Von der Zugabe diverser Hausmittelchen wie Benzin, Nagellackreiniger oder Klebstoff wird dringlichst abgeraten. Je schneller das Tier entfernt wird, desto besser. Schließlich werden die Krankheitserreger gewöhnlich erst 24 Stunden nach dem Biss übertragen. Treten Tage nach dem Stich ringförmige Hautrötungen oder grippeähnliche Symptome auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.