Jährlich sterben in Deutschland 800 Menschen an einer Infektion mit Clostridium difficile, einem Bakterium, das den Darm befällt und starke Durchfälle verursachen kann. Fachleute rechnen mit einer sehr viel höheren Todesrate, weil die Infektion oft übersehen wird. In den meisten Fällen passiert es bei einem Krankenhausaufenthalt, wenn der Patient ohnehin geschwächt ist.


Jetzt ist Abhilfe in Sicht. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG) in Potsdam und der Freien Universität (FU) Berlin haben eine Substanz entwickelt, die das Immunsystem anregt, Antikörper gegen das Bakterium zu bilden. Sie könnte die Grundlage für die Herstellung eines Impfstoffes, der vorbeugend wirkt, und eines Antikörpers zur Heilung von Patienten sein, die bereits befallen sind.


Der Körper fällt auf einen hilfreichen Trick herein

Dabei bedienen sich die Bioforscher eines Tricks. Sie bauen einen Teil der Oberfläche des Bakteriums nach, die aus einem „Zuckerpelz“ besteht, wie die Entwickler es ausdrücken. Diese süße Struktur befestigten sie auf einem Aminosäuregerüst und injizierten diese Mäusen. Deren Immunsystem ließ sich täuschen. Es nahm an, das Bakterium sei eingedrungen und produzierte unverzüglich Antikörper. Das  macht im Grunde jeder Körper. Doch wenn er geschwächt ist geht es nicht so schnell, sodass das Bakterium oft die Oberhand behält. Selbst Antibiotika helfen oft nicht, weil Bakterien Resistenzen entwickeln. Außerdem verändern sie sich ständig und entziehen sich so der medikamentösen Behandlung. Ihre Oberfläche behalten sie jedoch bei, sodass die körpereigenen Abwehrkräfte, die sich nach der Impfung gebildet haben, die Eindringlinge erkennen und bekämpfen.

Jetzt wird ein Impfstoff entwickelt

„Unsere aktuellen Ergebnisse sind ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Grundlagenforschung mit Hilfe des Studiums der menschlichen Immunantwort gegen Zucker zu neuen Kandidaten für den Kampf gegen gefährliche Krankenhauskeime führen kann“, sagt Peter H. Seeberger, Direktor am MPIKG und Professor der FU. Gemeinsam mit dem Schweizer Pharmaunternehmen Vaxxilon, das sich auf die Entwicklung von Impfstoffen spezialisiert hat, arbeiten die Forscher jetzt an einem zuckerbasierten Impfstoff für Menschen.

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