Wenn Menschen Gliedmaßen verlieren, kann ihnen mittels Prothesen geholfen werden. Dabei beschränkten sich die Funktionen der Prothesen bisher nur auf das Minimum, nämlich auf die wichtigsten Aufgaben. US-amerikanische und schwedische Forscher haben nun jedoch eine Prothese entwickelt, die dem Träger auch wieder ein Gefühl und einen Tastsinn verschafft. Möglich ist das durch eine Manschette, welche die Neuroprothese an das Nervensystem des Trägers anschließt.


Prothesenträger können zwischen Wattebausch und Sandpapier unterscheiden

Die neuen Handprothesen vermitteln viel Fingerspitzengefühl. Die Wissenschaftler schreiben unter anderem in ihrem Arbeits-Bericht, der im Science Translational Medicine Journal abgedruckt ist, dass die Träger der neuen Neuroprothesen sogar Materialien wie einen Wattebausch und Sandpapier ertasten und somit auch unterscheiden können. Die Gefühle können dabei von 19 verschiedenen Stellen der künstlichen Hand übermittelt werden. Neben dem Mehr an Gefühl und einem ausgeprägteren Tastsinn, räumt die neuartige Prothese den Forschern zufolge auch eine bessere Feinmotorik ein. Die Träger konnten beispielsweise eine Weintraube von einer Rebe pflücken ohne diese zu zerquetschen.


Das ist beeindruckend, schließlich konnte in einem weiteren Versuch auch eine Kirsche vom Stil getrennt werden, ohne dass die Frucht einen Schaden nahm. Möglich ist das Ganze durch Prothesen spezifische Algorithmen, die das Forscherteam entwickelte. Dabei werden die Berührungsinformationen von den Sensoren der Prothese in vielerlei elektronische Signale umgewandelt. Durch die Weiterleitung der Signale an die Nerven können dann verschiedenste Empfindungen bei dem Träger hervorgerufen werden.

Ein völlig neues Lebensgefühl

Erste Patienten berichten von einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität. So gaben einige auch an, dass durch die neuen Prothesen der Phantomschmerz nachgelassen habe. Zudem fühlen sich die träger allesamt mit den Prothesen besser verbunden. So wurde von einigen Patienten festgehalten, dass diese erstmals nach ihrem Unfall wieder eine Hand spüren konnten.
Eine Gruppe schwedischer Forscher um Max Ortiz Catalan von der Universität Göteborg hat ebenfalls eine Möglichkeit gefunden um den Trägern von Prothesen ein besseres Feingefühl und einen Tastsinn wieder zu geben. Anstelle einer Manschette wird die Prothese direkt mit dem Oberarm-Knochen verankert und im Inneren an die Nerven angeschlossen. Die Patienten bekommen dadurch eine größere Beweglichkeit eingeräumt und können zudem auch erhöht Empfindungen wahrnehmen.

Weitere Studien sind nötig

Die beiden neuen Prothesen-Arten lassen die Hoffnungen für marktübliche Prothesen mit einem befriedigenden Tastsinn steigen. Bisher mangelt es jedoch an derartigen Exemplaren. Um die Marktreife herbeizuführen sind allerdings noch einige Studien und Tests nötig. Die ersten drei Patienten mit langfristigen Erfolgen sprechen dabei ganz klar für die neuen Prothesen.

Quelle: n-tv

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