Allzu schnell blicken wir Menschen auf andere Lebewesen herab und sprechen ihnen ihre Intelligenz oder ihre Individualität ab. Bienen gelten zwar als perfekt organisierte Gemeinschaftswesen, doch gemeinhin gilt die Ansicht, dass die Insekten rein instinktgesteuert handeln. Forscher haben allerdings längst erkannt, dass die fleißigen Honigproduzenten mehr können als wir ahnen!


Eine Honigbiene entfernt sich von einer Blüte
Bienen sind wahre Orientierungskünstler

Ein Gehirn, so klein wie ein Sandkorn – und doch enorm aktiv

Das Gehirn der Biene besitzt die Größe eines Sandkorns, ungefähr eine Million Nervenzellen sind in ihm aktiv. Zum Vergleich: Der Mensch verfügt über ungefähr 100 Milliarden Nervenzellen in seinem Gehirn. Doch dass auch in einem kleinen Gehirn ganz viel los sein kann, erkannte bereits vor mehr als 200 Jahren der Schweizer Forscher François Huber, der Glasplatten in Bienenstöcke einbaute und beobachtete, wie seine Bienen ihre Waben ganz flexibel danach ausrichteten. Schließlich hält das Wachs auf der Glasoberfläche nur sehr schlecht, darum mussten stets neue Konstruktionen her, je nachdem, an welcher Position sich der glatte Untergrund befand.

Der moderne Verhaltensforscher Lars Chittka griff diese alten Erkenntnisse wieder auf und stellte seine eigenen Untersuchungen an der Mary-Queen-University in London an, auf der Suche nach der Intelligenz und Persönlichkeit der Bienen.


Es gibt vorsichtige Bienen und echte Draufgänger

Schnell wurde Chittka fündig, er und sein Team erkannten, dass Bienen planen und dazulernen, dass sie Gesichter erkennen und sogar bis drei zählen können. Sie orten die Lage, verlangsamen dafür ihren Flug, und drehen bei Risiko ab. Jede einzelne Biene erlernt in ihrem Leben unzählbar viele Tricks, wie sie den Nektar der vielen verschiedenen Blütenkelche erreicht. Bienen finden den kürzesten Weg zwischen mehreren verschiedenen Punkten, sie erinnern sich an gefährliche Erlebnisse und verhalten sich dabei ganz individuell. Während die einen Bienen die potentielle Risikosituation komplett zu meiden versuchen, konfrontieren sich andere mit der Gefahr, reagieren dabei aber etwas schreckhafter und nervöser als sonst. Durch positive Erfahrungen gewinnen sie neuen Optimismus.

Umdenken im Umgang mit Insekten ist gefragt

Einige der klugen Insekten nehmen sogar besondere Risiken auf sich, um an eine Belohnung zu gelangen. Andere wiederum gehen Schwierigkeiten und Hindernissen bevorzugt aus dem Weg, auch wenn es für sie etwas zu holen gäbe. Manche Hummeln lernten, eine Schnur zu bedienen, um einen süßen Snack zu erhalten. Diese Erkenntnisse brachten die Forscher nicht nur zum Staunen, sondern auch zum Nachdenken: Es gibt keine Vorschriften im Bereich der Insektenversuche, jeder Wissenschaftler darf mit den Tieren tun, was immer ihm beliebt. Hier gilt es, dringend umzudenken, und den Insekten nicht nur ihre pure Daseinsberechtigung zu lassen, sondern ihnen auch nicht unnötig zu schaden.

Quelle: faz.net

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