Patente für Medikamente sich höchst umstritten. Einerseits sorgen sie dafür, dass überhaupt geforscht wird. Denn: Welche Firma würde schon langwierig ein Medikament entwickeln, wenn das Endergebnis dann beliebig kopiert werden könnte? Andererseits sorgen die Patente aber auch dafür, dass die Preise der Arzneimittel deutlich über den eigentlichen Herstellungskosten liegen und Forschungsarbeit jahrelang blockiert wird. Ein Forscher der „University of Maryland“ möchte nun einen anderen Weg gehen. Die langwierigen Versuchsreihen und Tests sollen per Crowdfunding finanziert werden. Im Gegenzug verspricht er seine Ergebnisse komplett der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.


Project Marilyn: Idee stammt von russischen Forschern aus den 70ern

Sein Forschungsprojekt ist dabei selbst ein gutes Beispiel für den Mehrwert von Open-Source-Projekten. Es basiert nämlich auf den Ideen und Ergebnissen anderer Wissenschaftler. So entdeckten russische Forscher bereits in den 1970er Jahren, dass eine bestimmte chemische Verbindung – „sibiromycin“ genannt – bei der Krebsbekämpfung helfen könnte. Schon bald stellten sie aber fest, dass eine solche Behandlung schwerwiegende Herzfehler verursacht. Die Weiterentwicklung wurde zunächst gestoppt. Vor einigen Jahren allerdings nahm eine Wissenschaftlerin der „University of Maryland“ die Forschung wieder auf und entdeckte, dass durch das Herausnehmen eines Oxygen-Moleküls die negativen Folgen massiv verringert werden könnten.

Leider wechselte besagte Forscherin dann ihren Job, so dass sie keine längerfristigen Testreihen zur Bestätigung ihrer Hypothese mehr durchführen konnte. Diese Aufgabe ist nun ihrem Nachfolger, Isaac Yonemoto, zugefallen. Dieser wollte ursprünglich 50.000 Dollar einsammeln, um die chemische Verbindung an Mäusen auf ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit zu prüfen. Dieses Ziel wurde allerdings bereits erreicht, so dass er sein Crowdfunding-Ziel auf 75.000 Dollar erhöhte und im Gegenzug weitere Forschungsarbeit versprach. Starten sollen die klinischen Studien dann zu Beginn des nächsten Jahres.


Wettbewerb soll für sinkende Medikamentenpreise sorgen

Das Ziel des Forschers ist es dabei nicht, das Patent-System generell in Frage zu stellen. Vielmehr möchte er auf die Vorteile von Open-Source-Projekten hinweisen. Langfristig möchte er so Krebsmedikamente entwickeln, die deutlich preiswerter sind, als die bisher auf dem Markt befindlichen Produkte. Durch diesen Wettbewerb hofft er, die Preise für komplexe Medikamente generell senken zu können. Damit hat er sich ein durchaus aktuelles Problem vorgenommen. Im Durchschnitt kosten die Medikamente einer Krebsbehandlung in den USA 10.000 Dollar pro Monat – also etwa ein fünftel der ursprünglich veranschlagten Crowdfunding-Summe.

Problematisch sind diese hohen Kosten vor allem für Familien ohne ausreichenden Versicherungsschutz, sowie für Schwellen- und Entwicklungsländer, die solche Summen generell nicht aufbringen können. Zwar arbeiten die Pharmakonzerne schon heute mit verschiedenen Preismodellen für verschiedene Länder. Dennoch machen viele Kritiker, das Patent-System dafür verantwortlich, dass medizinische Behandlungen in Entwicklungsländern für Normalbürger teilweise unerschwinglich sind. Auch hier könnten erfolgreiche Crowdfunding- und Open-Source-Entwicklungen helfen.

Über Project Marilyn

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.