Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts haben das Eis in der Arktis genauer untersucht und selbst dort große Mengen Plastik gefunden. Teilweise wurden Werte von mehr als 12.000 Teilchen pro Liter erreicht. Dies ist rund zwei bis drei Mal mehr als der bisher gemessene Höchstwert. Allerdings nutzten die deutschen Polarforscher auch erstmals eine neue Messmethode. So wurden die Eisblöcke schichtweise mit einem FTIP-Infrarot-Spektrometer untersucht. Dadurch konnten selbst Mikroteilchen mit einer Größe von lediglich 11 Mikrometern erfasst werden. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist rund 60 Mikrometer dick. Die Untersuchung legt daher nahe: Bei den bisher durchgeführten Untersuchungen des Meerwassers – etwa im Great Pacific Garbage Patch – wurde ein Großteil der Mikroplastik-Teilchen noch gar nicht erfasst.


Foto: von Brocken Inaglory [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Ein Teil der Verschmutzung wurde direkt vor Ort verursacht

Um an ihr Untersuchungsmaterial zu gelangen sind die Forscher mit einem Eisbrecher in Richtung Norden gefahren und haben aus den dort installierten Messbojen Eiskerne entnommen. Interessanterweise konnte man zudem die chemische Zusammensetzung der einzelnen Teilchen analysieren. So wurden insgesamt 17 verschiedene Kunststoffe dokumentiert. Interessant in diesem Zusammenhang: Ein durchaus signifikanter Teil der Mikroteilchen bestand aus Nylon und Lackresten – was die Forscher auf die in der Region stattfindende Fischerei und Schifffahrt zurückführten. Offensichtlich handelt es sich um eine bisher unterschätzte Quelle für Plastikverschmutzung im Meer. Klar ist aber auch: Der Großteil der erfassten Mikroteilchen wurde aus dem Süden in die Arktis gespült.

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Zuletzt aktualisiert am 16.08.2018

Die Lösung muss an der Quelle ansetzen

Für den Menschen könnte dies zu einem Problem werden. Denn die Forscher gehen davon aus, dass der Müll nur für zwei bis elf Jahre in der Arktis gebunden wird. Anschließend bewegt sich das Eis in Richtung Süden und beginnt zu schmelzen. Dabei werden dann auch die Mikroplastik-Teilchen freigesetzt und gelangen in die tierische und menschliche Nahrungskette. Sobald das Plastik im Meerwasser eine gewisse Größe unterschritten hat, lassen sich zudem kaum noch Gegenmaßnahmen ergreifen. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, zum einen den Plastikverbrauch weltweit zu reduzieren und zum anderen ein geordnetes Entsorgungssystem zu installieren. In Deutschland etwa wird bereits so gut wie der komplette Platikmüll eingesammelt und fachgerecht entsorgt. Aber selbst in einigen EU-Ländern ist dies nicht der Fall.

Via: FAZ


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1 Kommentar

  1. Martin Schmidt

    25. April 2018 at 11:35

    In dem referenzierten FAZ Artikel steht nichts davon, dass der Plastikmüll in Deutschland fachgerecht entsorgt wird! Wer behauptet denn so etwas? Zählt „verbrennen“ als fachgerecht entsorgen, wenn man mit etwas Aufwand die Rohstoffe zurückgewinnen kann?
    Dieses kleine Beispiel macht das Problem doch deutlich. Die Mehrheit der Menschen sind einfach zu bequem um über das eigene Dasein hinaus zu denken. Hauptsache billig, schnell und einfach. Es ist die Aufgabe der Politik ernsthafte Regeln ins Spiel zu bringen, um diese Verhältnisse nachhaltig zu ändern. Und bei den geistigen Minderleistungen der sogenannten zivilisierten Welt geht das nur über Steuern, Gebühren und Strafen. Da muss man mal den Lobbyisten den symbolischen Mittelfinger zeigen und in Kauf nehmen, dass diese Maßnahmen auch Arbeitsplätze bedeuten können.

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